304
Geschichte der Juden.
methodologischen Werke (8. Usritot) den Leser in die Werkstätte desTalmud, um dessen Operationen belauschen zu können, und theilt ihmfeine und scharfsinnige Bemerkungen mit. Freilich fehlte auch Simsonvon Chinon der freie Blick, sich über den Talmud zu erheben undihn mit selbstständigem Auge zu betrachten. Indessen wenn er auchkein kritisches Werk zum Verständniß des Talmud geliefert hat, sohat er doch einen Ansatz dazu gethan und war jedenfalls seinen Zeit-genossen darin überlegen. Er zeigte auch mehr Sinn als sie für dieChronologie der talmudischen und nachtalmudischen Zeit. Simsonstand zu seiner Zeit in hohem Ansehen, wenn auch wenig von ihmund seinem Lebensgange bekannt geworden ist; er muß einen selbst-ständigen Geist besessen haben, da er sich nicht nur von der Kabbalafernhielt, sondern ihre lästerliche Art, sich im Gebete nicht an Gott,sondern bald an diese, bald an jene fingirte geistige Substanz (Sefira)zu wenden, geradezu verachtete. „Ich bete," bemerkte er, „in derEinfalt eines Kindes").
Wenn das noch immer mit besonderem Eifer betriebene Talmud-studium in Spanien in Stillstand und Ermattung gerathen war, sodurften sich andere Fächer der Wissenschaft nicht beklagen, daß sienicht vorwärts kamen und keine aufmerksame Pflege fanden. Diebiblischen Studien, hebräische Sprachkunde und Schrifterklärung, warenso gut wie aus dem Register gestrichen; kaum klingt aus dieser Zeitein einziger Name eines Schriftstellers zu uns herüber, der sich ernst-lich damit befaßt hätte. Das Mutterland der jüdischen Philosophiehat in der nachascheri'schen Zeit auch keinen Religionsphilosophenvon einiger Bedeutung mehr hervorgebracht. Die Aechtung desDenkens war durch Abba-Mari's geschäftigen Eifer, durch Ben-AdretsBannspruch und durch Ascheri's entschiedene Abneigung gegen philo-sophische Forschung vollständig gelungen. Die wahrhaft Frommenscheuten die Berührung mit der Philosophie, weil sie ihnen als eineVorstufe zur Ketzerei und zum Unglauben galt und die Scheinfrommenthaten noch spröder gegen sie. Es gehörte Muth dazu, sich mit ihreinzulassen, denn sie brachte nur Verketzerung und Verachtung ein ^).
zeichnete sich auch Simson von Chinon. Er blühte also noch vor Ben-Adret'sTod (1310). Dann findet sich von ihm eine Erläuterung zu dem Scheidebriefe,ausgestellt Anfang 1347 (Katalog der Wiener hebr. Ooäioss S. 57). Allesklebrige bei den Bibliographen.
>) Uösxp. Isaak b. Scheschet Uo. 157: ", pir '°>v) nso
pumn 7N npib bbsnv Illm >1'>N NN 'N 72V 7n: 22 M'pv (Mve> l.) PPVV
.rnnn N2'°>27 op°>i nnn TN'oob 2 p-> a.ne» p^ 2 pv,n imbo
2) Narboni Einleitung zum Morb: nnenem 2N7 mrmp 2 21 : 22 ,nn vvv —
i