Nikolaus de Lyra's Schrifterklärung.
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verfaßt*) und dieser beurkundet noch mehr den Verfall des Geistesin Spanien. Von schlichter Exegese hat dieser Commentar nicht dieleiseste Spur, giebt meistens lediglich Nachmani's Erklärungen wieder,enthält dafür aber desto mehr Spielereien mit Zahlen und Wörtern,um massoretische Zeichen als tiefsinnige Andeutungen (Ksmos) aus-zulegen. Man muß sich lebhaft vergegenwärtigen, daß in demselbenLande, wo Jbn-G'anach, Jizchaki Jbn-Jasus, Mose Gikatilla undJbn-Esra so kühne exegetische Ansichten ausgestellt und Geschmack undUrtheil geläutert hatten, R' Jakob Ascheri mit solchen Abgeschmackt-heiten auftreten und dabei auf einen Leserkreis rechnen konnte.
Während jüdische Schriftsteller, Kabbalisten wie Nicht-Kabbalisten,den bereits geebneten Weg lichtvoller Exegese verließen und einen ver-kehrten Weg einschlngen, bahnte ein Mönch in dem unwegsamenUrwalde krauser Schriftauslegung, wie sie seit den Kirchenvätern inder Christenheit üblich war, in dieser Zeit zum ersten Male einenschmalen Weg einfacher Schrifterklärnng an. Der FranciskanerNikolaus de Lyra (blühte 1300—1340^), Professor der Theologiein Paris und später Ordensprovinzial, der wahrscheinlich von ge-tauften Juden im Hebräischen unterrichtet wurde, nahm sich Raschi'seinfache, sinngemäße Schrifterklärung zum Muster und führte siezuerst, allerdings mit Klauseln, in die christliche Theologie ein. Durchdie Verbreitung der lyranischen Commentarien (postillua) zum altenTestamente hat Raschi's Exegese im christlichen Kreise den Sinn fürdas Einfache geweckt und bis ans den Begründer der Reformationfortgewirkt. De Lyra's Verdienst besteht lediglich darin, daß er diechristliche Welt mit der Auslegungsart des jüdischen Exegeten vonTroyes bekannt gemacht hat. Indessen ist es auch nicht gering an-zuschlagen, daß der Franciskanermönch, der nicht weniger als seineOrdensbrüder von Judenhaß erfüllt war und in einer judenfeindlichenSchrift den Gewalthabern Mittel zur Bekehrung der Juden andeutete,so weit das Vornrtheil besiegte, einem jüdischen Schrifterklärer denVorzug vor christlichen einzuräumen.
Seinem Bruder R. Jakob an Gelehrsamkeit und Tugenden gleich,nur ohne dessen Fähigkeit, ein Chaos zu ordnen, war sein BruderJehnda Ascheri (geb. um 1284, st. 1349 b), den die ToledanerGemeinde nach seines Vaters Tode (1327) zum Nachfolger im
*) Von diesem Commentar ist der zahlenmystische Theil gesondert von demrein exegetischen gedruckt Venedig 1544, der exegetische Theil ebenfalls getrenntvon jenem erst Zolkiew 1805 und Hannover 1838.
°) Vergl. Note 13.
°) Vergl. o. Seite 298. Anmerkung 1.