Verfall der Wissenschaft.
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sie gar nicht mehr wagten, eine selbstständige Ansicht aufzustellen undsich immer mehr auf die Ergebnisse älterer Autoritäten verließen. Fürdie Praxis machten sie es sich sehr bequem; sie folgten Maimuni'sGesetzescodex sklavisch und wichen nur in einzelnen Punkten, gegen diesich Ascheri erklärt hatte, von ihm abZ. Dem Letzteren war es soziemlich gelungen, den Hang der spanischen Juden zu wissenschaftlicherForschung, wenn auch nicht ganz zu unterdrücken, so doch zu ver-dächtigen und dadurch zu schwächen. Die bedeutenden Träger desphilosophischen Geistes gehörten fortan nicht mehr Spanien, sondern,wenn sie überhaupt auftauchten, meistens Südfrankreich an: Jbn-Kaspi, Gersonides und Narboni. Allein Ascheri und seineSöhne, welche seine Wissensfeindlichkeit erbten und in Spanien dieAnschauung verallgemeinerten, daß man sich gar nicht mehr auf höhereFragen über das Judenthum und dessen Zusammenhang mit derPhilosophie einlassen dürfe, daß ein solches Forschen an sich schon einAnsatz zur Ketzerei und zum Unglauben sei, bedachten nicht, daß siedadurch den Geist der spanischen Juden auch für talmudische Unter-suchung schwächen und unfähig machen würden. Die jüdischen SöhneSpaniens waren für den einseitigen Talmudismus nicht so geeignet,wie die deutschen Juden. Untersagte man ihnen die Beschäftigungmit der Wissenschaft, so benahm man ihnen damit zugleich jedeSchwungkraft des Geistes und machte sie auch für erlaubte Studienuntüchtig. Selbst ihre Lust am Gesang und ihre dichterische Begabungverlor sich. Wenn der Eine oder der Andere noch dichtete, so warihr Erzeugniß eine unschöne und gedankenlose Reimerei. Sie wurdenimmer mehr den von ihnen früher so verachteten deutschen Judenähnlich. Man braucht nur Jehnda Halevi's schönes Gedicht über dieWunder der Feder mit der zerfahrenen, langweilig gespreizten gereimtenAbhandlung des Dichterlings Schem-Tob Ardutiel^) zu ver-gleichen, um den tiefen Abstand zwischen Blüthe und Verfall zuermessen. Selbst die prosaische Darstellung, auf welche die jüdischenSpanier früher so viel Sorgfalt verwendeten, entartete meist zu einemgeistlosen Wortschwall. Der liebliche Dichter Santob de Carrion,welcher bereits unter Alfonso XI. seine Gedanken in schöne spanischeVerse gekleidet hat, war eine vereinzelte Lerche, deren Schlag keinenWiderhall weckte.
Die acht Söhne Ascheri's, seine Verwandten, die mit ihm ausDeutschland nach Toledo eingewandert waren (o. S. 234), und seine
Z Vergl. darüber Idsspx. llsliuäs. Xsalisri Xo. 54.
2) Das pa?' in 221 .iL-pn, vollendet Tammus 1345, ist
aus einem Ns. edirt in Oibrs Lbaoburnira p. 47 sf.