Die Judenfeinde Alfonso und Gonzalo Martinez. 293
ein anderer wenig bekannter Schriftsteller cntgegnete Alfonso, und esentstand dadurch ein heftiger Federkrieg über Judenthnm und Christenthum.
Alfonso von Valladolid blieb aber nicht blos auf dem Gebieteder Schriftstellerei stehen, sondern trat geradezu vor dem KönigAlfonso XI. als Ankläger gegen die Juden auf. Er behauptete, oderfrischte vielmehr die Behauptung des Kirchenvaters Hieronymus undAnderer wieder auf, daß die Juden in ihrer Gebetordnung eine Verwün-schungsformel gegen den Gott der Christen und seine Anhänger eingeführthätten. Eine solche ist allerdings vorhanden, aber ursprünglich ledig-lich gegen die ihre Stammesgenossen bei den römischen Behörden an-schwärzenden Judenchristen (Nazarener Bd. IV^. S. 423) in Aufnahmegekommen. Die Vertreter der jüdischen Gemeinde von Valladolid,welche vermuthlich vom Könige zur Rechtfertigung aufgefordert wurden,stellten es in Abrede, daß die Verwünschung gegen die Minäer(Nazarener) sich auf Jesus und seine gegenwärtigen Gläubigen beziehe.Aber Alfonso ließ diese Rechtfertigung nicht gelten und machte sichanheischig, in einer Disputation mit Juden seine Anklage zu begründen.Der König von Castilien ließ daher die Vertreter der Gemeinde vonValladolid zu einem Religionsgespräche mit dem Sakristan zusammen-treten i). Es fand in Gegenwart von Staatsbeamten und Dominikanernstatt. Hier wiederholte Alfonso Burgensis seine Anklage und bliebinsofern Sieger, als in Folge dessen der König Alfonso ein Edikterließ (25. Februar 1336), wonach den castilianischen Gemeinden beiStrafe von einer Mark Silber (oder 100 Maravedies) untersagt wurde,das angeschuldigte Gebetstück oder die Verwünschungsformel zu ge-brauchen^). So war es den Judenfeinden gelungen, den judenfreund-lichen König auf ihre Seite zu ziehen. Es sollte noch schlimmerkommen.
König Alfonso war in seiner Gunst nicht sehr beständig, sondernübertrug sie bald auf diesen, bald auf jenen, und wenn er auch diein Ungnade Gefallenen nicht wie ein asiatischer Despot enthauptenließ, so kümmerte er sich doch wenig um sie und ließ mit ihnen ge-schehen, was der augenblickliche Günstling für gut befand. Einmalwendete er sein Vertrauen einem Unwürdigen zu, Gonzalo Martinez(Nuriez) de Oviedo, der, früher ein armer Ritter, durch den jüdischenGünstling Don Joseph de Ecija zu höhern Aemtern befördertworden war. Weit entfernt seinem Wohlthäter dankbar zu sein, haßteer denjenigen, welcher ihn erhoben hatte, und mit ihm sämmtliche
U Dieselbe Note.
°) Alfonso de Spina vergl. dieselbe Note.