Die Juden von Navarra.
285
des Scheiterhaufens züngeln zu lassen. — In Navarra, das seit einemhalben Jahrhundert zur französischen Krone gehörte, wüthete derJudenhaß mit einer Raserei, wie er bis dahin nur in Deutschlandvorgekommen war. Der letzte Capetinger, Karl IV., war gestorben,und in Frankreich kam mit Philipp IV. die Seitenlinie der Valoisauf den Thron. Es ist merkwürdig, daß selbst Christen damalsglaubten, Philipp der Schöne habe das Anssterben seiner Nachkommendeshalb verschuldet, weil er die Juden so unbarmherzig aus Frankreichvertrieben habe*). Die Navarresen arbeiteten dahin, sich von Frank-reich loszumachen und einen eigenen Staat zu bilden. Man weißnicht recht, in wie fern die Juden ihrem Vorhaben im Wege standen.Genug, es zeigte sich mit einem Male im ganzen Lande eine blut-dürstige Erbitterung gegen sie, genährt vom Neid ans deren Reichthümerund angeschürt von Mönchen. Ein Franciskaner, Pedro Olligoyen,that sich am meisten darin hervor, die verblendete Menge zur Wuthgegen die unschuldigen Juden zu stacheln. In der großen Gemeindein Estalla begann ein schaudererregendes Gemetzel an einem Sabbat<23. Adar — 5. März 1328 ^). Die Wütheriche erhoben das Geschrei:„Tod den Juden oder ihre Bekehrung!"
Vergebens setzten sich die Juden in ihren Straßen zur Wehr;die städtischen Bewohner, verstärkt durch Banden von auswärts,belagerten sie und erstürmten die um das Judeuviertel gezogenenMauern, durchbrachen sie und tödteten fast sämmtliche Juden dieserStadt. Auch legten sie Feuer an die jüdischen Häuser an undäscherten sie vollständig ein. — Die Schilderung eines Augenzeugenvon dem, was er selbst dabei gelitten, giebt nur eine schwache Vor-stellung von der Grausigkeit des Gemetzels in Estalla. Dem kaumzwanzigjährigen Meuahem b. Zerach hatten die Blutmenschen dieEltern und vier jüngere Brüder erschlagen Er selbst war von denKannibalen verwundet und zu Boden gestreckt worden. So lag erohnmächtig und dem Tode nahe unter den Leichen von der Abend-stunde bis Mitternacht. Ein mitleidiger Ritter, ein Freund seinesVaters, suchte ihn unter dem Leichenhanfen auf, brachte ihn in sein
') Obrcmiea äst Rs ^ätcmso st onssno (edirt von Cerdo y Rico, Madrid178?.) p. 326: lüb alAunos äixisron gus porgus ssb Rs^ ü'slips (sl Lsl)sobs los äuäios äs toäo su rsZuo, gus por ssto ls vsräsron boäus sstusvoss-s.
2) Quellen über diese Verfolgung: Nsimolism b. 2srasli Einleitung zudessen: >ni>r; Uranus ^ Älruiräu äisoious-rio äs ^.utÜArmäs,äss äs
diavurru lArtikel äuäios N. II. p l>4): 2uritu Lmmlss äs ^.raA'oirlll. p. 91) und andere. Das Datum giebt die jüdische Quelle: 23 Adar und2uribu a a. O. Labbuto prirnsro äs Älurpo ässbs uns (l328).