werde. Derjenige, welcher beim Schlachten fungirt, müsse daher andie Seelenwanderung der Thierseele in die Menschenseele glauben,sonst habe es keine Bedeutung und mache das Fleisch zum Genüsseuntauglich Z. Bei den Karäern stand Israel der Westländer in gutemAndenken; denn er und sein Jünger Jephet b. Zaghir trugen zurEntfesselung der so drückenden Ehegesetze bei. Die von ihnen eingeführtenErleichterungen sind nach jahrhundertlangem Kampfe endlich von denmeisten Karäern angenommen worden ^).
Etwas bedeutender als Israel Maghrebi war sein älterer Zeit-genosse Aaron b. Joseph der Aeltere, Arzt in Constantinopel(blühte um 1270 — 1300 ^). Er stammte aus der Krimm, machteweite Reisen und eignete sich medicinische und philosophische Kenntnissean. Aaron I. machte sich auch mit der rabbanitischen Literatur ineinem so hohen Grade vertraut wie Wenige seiner Bekenntnißgenossen.Auch Nachmani's Pentateuch-Commentar benutzte er, und daher entstandder Jrrthum der späteren Karäer: Aaron habe zu Nachmaui's Füßengesessen. Seine Vertrautheit mit der rabbanitischen Literatur hat auchauf seinen Styl günstig eingewirkt; er schrieb viel klarer und verständ-licher als die meisten karäischen Schriftsteller. Er neigte sich sogarzur Annahme der talmudischen Tradition und formulirte sein Glaubens-bekenntniß dahin: nur in den Fällen, wo der Widerspruch zwischendem Schriftworte und der Ueberlieferung zu grell hervortrete, müsseman die letztere verwerfen, sonst aber ihr folgen^). Um aber nicht in denVerdacht zu kommen, er sei rabbanitisch gesinnt, schwächte Aaron seinZugeständniß ab, indem er die Behauptung wiederholte: die Ueber-lieferung sei nicht gerade Eigenthum der Rabbaniten, sondern sei uraltund gehöre Gesammtisrael an. Er berief sich dafür auf ältere karäischcAutoritäten, welche den Talmud zum Theil anerkannt hätten Indiesem Sinne legte Aaron aus Constantinopel den Pentateuch aus,nahm stets auf den Talmud Rücksicht und befreundete sich sogar mitder sonst von den Karäern verspotteten talmudischen Agada. Er er-läuterte fast die ganze Bibel, aber sein Hauptwerk ist sein Pentateuch-Commentar. Im Gegensatz zu der weitschweifigen, zerfahrenenSchreibweise der karäischen Schriftsteller ist Aaron knapp und haus-
u In seinem rnrb.n Igekürzt in Ooä Noräoobui verfaßt 1306).
2 , Pinsker a. a. O.
") Seinen Pentateuch-Commentar verfaßte er 1289, wie das Eingangs-gedicht zu demselben chrwion -wo gedruckt Goslow — Eupatoria 1835) angiebt.Seinen Hiob-Kommentar hat er noch früher verfaßt. Zu Exodus 12, 3(S. 14 b,) giebt er an, daß er 1279 in Sulchat eine Controverse mit Rabba-niten in Betreff der Fixirung des Neumondes hatte.
4) Einleitung zum Pentateuch-Commentar. ^ Das.