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Geschichte der Juden.
ganze Heidenwelt vom Paradiese aus, weil sie Christus nicht erkanntund der Gnade der Seligkeit nicht theilhaftig geworden. Immanuelsieht eine Schaar Seliger, die er nicht erkennt und fragt seinen Führerwer diese seien? „Das sind," antwortet dieser, „die frommen undsittlichen Heiden, welche durch ihren Geist die Höhe der Weisheiterklommen, die den einzigen Gott als Weltschöpfer und Segenspendererkannt." — Die frommen Schriftsteller David, Salomo, Jesaia,Ezechiel, wie sie Immanuel erblicken, reißen sich förmlich um ihn:jeder dankt ihm dafür, daß er seine heiligen Schriften am bestenausgelegt; dabei läßt Immanuel Seitenhiebe auf ältere und zeit-genössische schlechte Ausleger fallen.
Die neuhebräische Poesie, welche mit Josä b. Josä begann undin Jbn-Gebirol und Jehuda Halevi ihren Höhepunkt erreichte, erhieltin Immanuel den Abschluß ihres Entwickelungsganges. Alle Ton-arten waren nun erschöpft. Hervorgegangen aus einem liturgischenBedürfniß und bekleidet mit einem religiösen Charakter, verweltlichtesich die hebräische Poesie immer mehr und wurde zuletzt ausgelasseneParodie. Immanuel machte zwar auch einige religiöse Verse, abersie kamen ihm nicht aus dem Herzensgründe; der Schalk ist durch diefromme Maske zu erkennen. Er übertraf an Schalkhaftigkeit beiweitem seine Vorgänger Salomo Jbn-Sakleb und Charisi. NachImmanuel verstummte die hebräische Muse wieder auf lange Zeit,und es bedurfte einer neuen, kräftigen Anregung, um sie aus demSchlummer zu neuer Schöpfung zu erwecken. Es wurden zwar nachihm noch immer Verse gemacht und Reime geschmiedet, aber sie sindvon Poesie ebenso weit entfernt, wie ein Gassenhauer von einem seelen-vollen Liede. In Immanuels Lebensgang ist das Schicksal derhebräischen Poesie typisch gezeichnet. Eine Zeitlang war er gefeiert.Jedermann suchte feine Freundschaft. Im Alter aber verfiel er derVerlassenheit und Armuth. Er 'selbst giebt an, seine Großmuth habeihn um sein Vermögen gebracht. Er wurde dann ebenso verspottetwie er früher gepriesen war. Mit seiner Familie verließ er Rom,wanderte umher und fand erst Ruhe bei einem reichen, angesehenenKunstfreunde (Benjamin?) in Fermo. der sich seiner annahm und ihnermuthigte, seine Verse und Dichtungen aus den verschiedenen Alters-stufen zu einem Ganzen abzurunden ^). Aus dieser Ueberarbeitungentstand seine Novellensammlung (Llaeddorot ^). Sein Beschützer undviele seiner Zeitgenossen erheiterten sich an seinem Witze und seinerausgelassenen Laune. Den Frommen aber galt er als Sittenverderber,
1) Llaolrbsröt Ilo. I.
2) Zuerst gedruckt Brescia 1491.