Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
261
Einzelbild herunterladen
 

Die römischen Juden.

261

innernng gebracht, daß sie unter der Znchtruthe des Pfaffen-regiments und der Willkür stand. Genau sind die für die römischenJuden so unangenehmen Vorgänge nicht bekannt. Es wird erzählt,eine Schwester des Papstes (Johann's XXII.), Namens Sangisa,habe ihrem Bruder in den Ohren gelegen, das verfluchte Geschlechtder Juden aus der heiligen Stadt der Christenheit zu verjagen. IhrGesuch sei aber oft von ihm zurückgewiesen worden. Da habe sie einigeGeistliche aufgestachelt, Zengniß abzulegen: die Juden hätten sich überein Crucifix, das in Procession durch die Straßen getragen worden,mit Worten und Geberden lustig gemacht. Darauf habe der Papstden Befehl erlassen, sämmtliche Inden aus dem römischen Gebiete zuverweisen. Sicher ist nur, daß die Juden Roms in diesem Jahre ineiner großen Gefahr schwebten. Denn sie veranstalteten ein außer-ordentliches Fasten, richteten inbrünstige Gebete an den Himmel(21. Sivan 18. Juni 1321H, vernachlässigten aber dabei nicht

*) Die Quellen dafür sind Usque Ois-loZo III. Xc>. 17, Lovsvsb Islrucks,Xo. 14 (beide aus der gemeinsamen älteren Quelle des Profiat Duran) und ausbeiden Joseph Kohen in Lrnslc bs,-Laads, x. 62. Der Zug von der Juden-feindlichkeit der Schwester des Papstes klingt ein wenig ungeschichtlich. Usquegiebt das Datum an SV81 1321. Mit Recht combinirte Luzzato (Anmerkungzu Lrask da-Laads.) damit die Nachricht, daß nach einer Angabe in zweirömischen Machsor-Exemplaren (Lls.l die römischen Juden in demselben Jahre,21. Sivan, einen außerordentlichen Fasttag mit öffentlichen Gebeten veranstaltethaben, als ihreAbgeordneten" an denHof" gingen. Diese Nachrichtfindet sich auch in einem handschriftlichen italienischen Machsor der BreslauerSeminarbibliothek vom Jahre 1391: ava ' 211 a >vwp 1102 rmpn r^rri iio

iraa nobb b.-ipn mpe> pcowo n"°> u"o. Unter diesemHof" ist

aber lediglich die päpstliche Residenz in Avignon zu verstehen, nicht die desKönigs Robert in Neapel. Denn dieser war von 1318 bis 1324 von Neapelabwesend und brachte diese Zeit zumeist in Avignon zu. Auch Immanuel läßtden hochgepriesenen anonymen Deputirten zur Verwendung wegen verhängterLeiden nach der Provence, d. h. an den päpstlichen Hof gehen: nsm.n

r>u Hem , :2p bp p:2nn wiub up-"> le-b we-'2rm

i-uie" ip iiu um p.U 2 (Xc>. 28). Der Aus-

druck bu'-uv bedeutet bei mittelalterlich-jüdischen Schriftstellern sonst Rom, hieraber in Verbindung mit q'bu und derProvence" entschieden den ,,Papst" inAvignon. Vom Jahre 1322 wird eine Vertreibung der Juden aus demComitat Venaissin durch Johann XXII. berichtet. Vergl. I. Loeb in derIlsvus äs8 Lbuäss luivss VI. 270. XII. 46. Zunz, der zuerst Kalonymos'Bedeutung in der Geschichte nachgewiesen hat, iGeigers Zeitschrift II. S. 313 ff.IV. 200 fs. und a. a. St.) vermuihet: Kalonymos, der xrobö^s des KönigsRobert von Neapel, sei unter jenem Anonymen zu verstehen, der die Rettungherbeigeführt. Dagegen sprechen aber folgende Umstände: 1j Kalonymos, derin pa pu über die Leiden der Juden in Frankreich in Folge der Hirten undAussätzigen gerade in derselben Zeit klagt, erwähnt mit keiner Silbe der Ge-fahr, welche die römischen Juden damals bedrohte. 2) Immanuel läßt Kalo-