260
Geschichte der Juden.
italienische Literaten den Muth hatten, mit Spaniern und Provenzalenzu wetteifern: Leone Romano, Juda Siciliano und vor Allen derDichter Immanuel Romi, welcher die neuhebräische Dichtkunstwieder zu Ehren brachte und sie um eine Stufe höher führte. — Dierömische Gemeinde bekundete damals besonders hohes Interesse andem jüdischen Schriftthum. Sie besaß von Maimuni, der für sie wie fürdie damalige jüdische Welt überhaupt die Wissenschaft in sich verkörperte,den ausführlichen Religionscodex und die Uebersetzung seines „Führers",aber von seinem lichtvollen, ursprünglich in arabischer Sprache ver-faßten Mischnah-Commentar nur jene Partieen, welche Charisi undSamuel Jbn-Tibbon übersetzt hatten. Die Vertreter der römischenGemeinde, zu denen damals vielleicht auch der Dichter Immanuel ge-hörte, wünschten aber das Werk vollständig zu besitzen und schicktenzu dem. Zwecke eigens einen Sendboden nach Barcelona an Ben-Adret,ihnen den Besitz der fehlenden Theile zu vermitteln. Die Sache waraber nicht so leicht, als sich die römischen Juden gedacht hatten. Dergrößte Theil des so sehr gewünschten maimunischen Commentars zurMischnah war wegen eigenthümlichcr Schwierigkeiten noch gar nichtins Hebräische übertragen worden. Die größte Schwierigkeit bestanddarin, daß das Verständniß des Arabischen den meisten spanischenJuden, bis auf diejenigen, welche in Toledo und in der Nähe desKönigreichs Granada wohnten, abhanden gekommen war. Ben-Adret,welcher sich der römischen Gemeinde zuvorkommend zeigen wollte, gabsich Mühe, die von ihr gewünschten Theile ins Hebräische übertragenzu lassen. Er ermuthigte zu diesem schwierigen Geschäfte einige desArabischen und Talmudischen kundige Männer, und diese theiltendie Arbeit unter sich: Jo seph Jb n-al-Fawwab und JakobAbbaßiZ aus Huesca, Salomo b. Jakob und NathanaelJbn-Almali, beide Aerzte aus Saragossa und noch Andere. DemEifer der-römischen Gemeinde, Ben-Adret's und dieser Männer, hatdie jüdische Literatur den Besitz des so werthvollen maimunischenWerkes zu verdanken.
Aus ihrer friedlichen Beschäftigung und ihrer ruhigen Existenzwurde die römische Gemeinde mit roher Hand geweckt und ihr in Er-
*) Die Uebersetzung des größten Theils des maimunischen Mischnah-Com-mentars auf Anregung der römischen Gemeinde und Ben-Adret's war voll-endet 1298; vergl. darüber Einleitung zu diesem Commentar zu den Traktatenllsrrroaa, Laddat, llsdanaot, Lada-Laras., auch Frankel, Monatsschrift Jahr-gang 1860 S. 386. Der Name des Uebersetzers der Ordnung o'oo lautet:moor opv, ist aber entschieden corrumpirt für »onor. Jakob Abba hi ausHuesca correspondirte mit Ben-Adret (Lssxx>. lll. Lo. 13-t). Vergl.Steinschneider die hebr. Uebersetzungen S. 923 s.