Ben Adret's Tod.
249
weil sie unfehlbar zum Unglauben führe. Die Vertheidiger derWissenschaft seien nunmehr ohne Schonung zu verdammen, da die Leidendes Exils keinen Eindruck auf sie gemacht, ihren Trotz nicht gebrochenund sie ungebessert gelassen haben.
Diese Ansicht von der Allgemeinschädlichkeit der Wissenschaft fürdas Judenthum gewann nach Ben-Adret's Tode (1310 immer mehrdie Oberhand, da Ascheri nunmehr als einzige maßgebende Autoritätin religiösen Angelegenheiten in Spanien und den Nachbarländernanerkannt wurde. Ascheri, seine Söhne und Gefährten, die mit ihmaus Deutschland ausgewandert waren, verpflanzten jenen Geist biederer,aber peinlicher, engherziger, unduldsamer Ueberfrömmigkeit, jene düstereStimmung, welche auch die harmlose Freude als Sünde ansieht,jene Gedrücktheit, welche die deutschen Juden des Mittelalterscharakterisirt, von der Rheingegend nach dem lebensfrohen Toledound impften sie den spanischen Juden insgesammt ein. Jeder Auf-schwung des Geistes wurde gehemmt. Ascheri concentrirte die ganzeGeistesthätigkeit auf den Talmud und seine Auslegung. Sein Haupt-werk war eine Bearbeitung des Talmud für praktisch-religiöse Zwecke(1307 — 1314^). Er legte dabei trotz seiner Vorliebe für dieLeistungen deutscher und nordfranzösischer Rabbinen Alfaßi's Ent-scheidungen zu Grunde, berichtigte sie aber theils durch die Erörte-rungen anderer (namentlich tossafistischer) Autoritäten und theils durcheigene, sehr scharfsinnige Einwürfe. Ascheri zeigte in seinen demTalmud sich eng anschließenden Auseinandersetzungen so viel Ordnungs-sinn und Klarheit, daß er von den Zeitgenossen und der Nachweltbewundert wurde. Er nährte aber auch den Hang, stets dieerschwerende, peinliche und strengste Ansicht zur Geltung zu bringen.Wollte irgend ein Wissensfach sich vernehmen lassen, so mußte es sichin das Gewand zerknirschter Frömmigkeit hüllen. Als der kenntniß-reiche Isaak b. Joseph Israeli II. aus Toledo (blühte um 1300 bis1340) ein astronomisches Werk (ässoä Olam) veröffentlichte (1310),mußte er es rechtgläubig-talmudisch zustutzen und ihm ein Glaubens-bekenntniß voranschicken; nur in dieser Gestalt konnte es Gnade vorAscheri finden^).
r) Zacuto in Jochasin. Don Joseph Jbn-Jachja dichtete eine Elegieauf dessen Tod, fragmentarisch in Lollalsollslst.
2) Die Abfassungszeit der 'iVn rnoi-.i ergiebt sich aus ^.doäs. Lara. I. blo. 7.Ueber Ascheri vergl. die Bibliographen und Zunz zur Geschichte S. 43
^ Vergl. über Isaak Israeli (zu unterscheiden von dem altern aus KairuanB. V .2 S. 252 fg.) Einleitung zu dessen oiop iw' (Berlin 1849 sä. Or. Kassel),die Bibliographen und Carmoly Itinsrairss x. 224, wo auch von seinenliterarischen Leistungen die Rede ist. Er lebte noch nach 1333, da er IsaakChelbo's Epistel von diesem Jahrs citirt.