Parteiung für und gegen die freie Forschung. 241
In derselben Zeit waren auch in der Kirche glühende Streitig-keiten ausgebrochen zwischen dem König Philipp IV. von Frankreichund dem Papst Bonifacius VIII.; aber hier handelte es sich nichtum ideale Güter, nicht um Wissenschaft und freie Forschung, sondernlediglich um Herrschaft, Macht und Mammon. Die beiden Partei-häupter befehdeten einander auf Tod und Leben. Der König klagteden Papst der Ketzerei, der Simonie, der Habsucht, des Meineidesund der Unzucht an. Und der Papst entband die Unterthanen ihresEides gegen den angestammten König und verschenkte dessen ReichDie jüdischen Streitigkeiten hatten nicht diese Tragweite, gingen aberauch nicht aus einer so bodenlosen Verderbtheit hervor.
Ben-Adret und einige andere, welche den Bannfluch unterschriebenhatten, Mose Jskafat Meles und Salomon Gracian, warenvon Bedarest's Sendschreiben so unangenehm berührt und fürchtetendessen Wirkung so sehr, daß sie sich beeilten, die Erklärung abzugebensie hätten es keineswegs auf die Schriften Maimuni's gemünzt, denauch sie auf's höchste verehrten. Sie ermahnten sogar Abba-Mari'sPartei, um der Judenfeinde willen Frieden mit ihren Gegnern zumachen Z. Allein die Streitsache stand nicht mehr so harmlos, umfriedlich beigelegt werden zu können. Die gegenseitige Erbitterungwar zu heftig und zu sehr auf das Gebiet des Persönlichen gerathen.Auch wollte jede der beiden Parteien auf ihrem Standpunkte Rechtbehalten und konnte auf keine Vermittelung eingehen und keine Zu-geständnisse machen. Beide beharrten daher auf ihrem Principe; dieeine Partei wollte ihren Beschluß durchsetzen: die Wissenschaft müssefreigegeben werden, die andere machte ihren Protest geltend: dieJugend müsse vor der Reife von dem schädlichen Gifte der Erkenntnißfern gehalten werden. Während die Abba-Maristen noch nach gut-achtlichen Zustimmungen jagten, um den Bann der Gegner alsunberechtigt erklären zu lassen 2), trat ein trübes Ereigniß ein, welcheswie ein Wirbelwind die Freunde auseinandertrieb und die Feindegegeneinander schleuderte.
Z In diesem Sinne sind die Nummern 82 — 88 in Niuobat Lsnuotaufzufassen.
2) blinobad Xsnnot dlo. 81 — 89.
G raetz, Geschichte der Jaden. VII.
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