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Geschichte der Juden.
Streitsache geschriebenen, waren nicht blos für die Person, an die siegerichtet waren, sondern für das lesende jüdische Publikum überhauptberechnet. Es waren Pamphlete, die vervielfältigt und verbreitetwurden. Nachdem Bedaresi in diesem Sendschreiben seine Verehrungfür den charaktervollen und gelehrten Rabbiner von Barcelona an denTag gelegt, bemerkte er, daß er und seine Freunde nicht wegen desBannes empört seien. Denn die Wissenschaft sei unverletzlich undkönne von dem Bannstrahl nicht getroffen werden. Sie fühlten sichnur dadurch verletzt, daß Ben-Adret die jüdischen Gemeinden Süd-srankreichs in Bausch und Bogen als halbe Ketzer und Abtrünnigegebraudmarkt und sie in seinem Sendschreiben an viele Gemeindenund Länder der Verachtung ausgesetzt habe. Ben-Adret habe sichvon Abba-Mari ins Schlepptau nehmen lassen und eine Mücke füreinen Elephanten angesehen. Es gäbe in den südfranzösischen Ge-meinden nur sehr wenige, welche an der allegorischen Auslegungsweiseder Schrift und Agada Gefallen fänden, und die Urheber selbst hättenes gar nicht so arg gemeint, um den Bann zu verdienen. Von jeher,von Saadia's Zeit an, sei die Wissenschaft im Judenthum nicht blosgeduldet, sondern gehegt und gepflegt worden, weil ihr Nutzen füreine religiöse Erkenntniß unbestreitbar sei. Auch wären die Ver-ketzerer nicht folgerichtig Verfahren; sie hätten die Arzneiwissenschaftvom Banne ausgeschlossen, während diese ganz ebenso gut wie alleandern Wissensfächer eine Seite habe, welche gegen die Religionankämpfe. Wie könnten sie nur wagen, Maimuni's Schriften an-zutasten, dessen glanzvolle Persönlichkeit alle vorangegangenen Größenüberstrahle! Zum Schluß bemerkte Jedaja Bedaresi, daß bereits heftigeFeindseligkeiten der Parteien in Montpellier ausgebrochen seien. Obsie es denn noch weiter treiben wollten, daß die Christen Schadenfreudean der Uneinigkeit der Juden haben sollten? „Wir können dieWissenschaft nicht aufgeben, sie ist unser Lebensodem. Selbst wennJosua aufträte und sie uns verböte, könnten wir ihm nicht Folgeleisten. Denn wir haben einen Gewährsmann, der euch alle über-wiegt, Maimuni, der sie uns empfohlen und eingeschärft hat. Wirsind bereit, Vermögen, Kinder und unser Leben selbst dafür ein-zusetzen." Er forderte zuletzt Ben-Adret auf, seine Freunde in Mont-pellier zu ermahnen, von ihrer Verketzerungssucht abzustehen und dieFlamme des Streites nicht weiter zu schüren^).
Bedaresi mit der Abfassung und Absendung seines Schreibens nicht langegesäumt hat.
') Bedaresi's apologetisches Sendschreiben in Usaxx. Ben-Adret Uc>. 418.