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Geschichte der Juden.
Ebenso besonnen war Mei'ri in der Auslegung der heiligenSchrift. Die Philosophen und die Mystiker wollten immer Höheresin ihr finden, das Einfache war ihrem Sinn zu nüchtern, darumlegten sie überschwänglichen Unsinn hinein. Nicht so Mei'ri. Ernahm zwar auch an, daß es manche Gebote und manche Erzählungenin der heiligen Schrift gebe, die auf ein Höheres Hinweisen, aber diemeisten müßten ganz buchstäblich genommen werden^). Dem wüstenAberglauben der Zeit war Mei'ri abgeneigt, wenn er auch durch dieAutorität des Talmud bestätigt war 2p Es ist als kein geringesVerdienst anzuschlagen, wenn ein Mann inmitten der bodenlosenSchwärmerei nüchtern geblieben ist. Mei'ri war natürlich mit derausschweifenden Manier der Allegoristeu unzufrieden; aber deswegendas Kind mit dem Bade auszuschütten, die Wissenschaft wegen desMißbrauches zu verpönen, lag seinem Sinne fern^).
Nicht so ruhig betrachteten diese Vorgänge einige Eiferer, diein jener Stadt heimisch waren, welche den Finsterling Salomo ausMontpellier erzeugt hatte, jenen Verketzerer Maimuni's und seinerSchriften (o. S. 34), welcher so viel Spaltung und Unheil veranlaßthat. Obwohl die afterphilosophischen Auswüchse keineswegs schädlicherwaren als die kabbalistischen Alfanzereien, so ließen die Zionswächterdoch diese ruhig gewähren und eröfsneten gegen jene einen heftigenKrieg, wodurch sie ihnen mehr Gewicht gaben, als sie an sich hatten.Sie hätten um ein Haar das Feuer der Zwietracht im Judenthumentzündet. Der erste Anreger dieses unzeitigen Eifers und Streitesgehörte jener Menscheuklasse an, welche das Glaubensgebiet nach einerschnurgeraden Linie, und zwar nach ihrer eigenen Norm abgrenzenund jede Regung und Meinung, die darüber hinausragt, als Ketzereiverdammen, mit Bannfluch, womöglich mit Feuer und Schwert vertilgtwissen möchten, bei der man den fanatischen Eifer nicht von einer ArtEgoismus trennen kann. Dieser Manu war Abba-Mari b. Mose ausMontpellier, mit seinem vornehmen Namen Don Astrüc En-Durande Lünel^), aus einer angesehenen Familie und von großem Gewichtein der Hauptstadt Languedocs. Abba-Mari Don Astrüc war zwarnicht ohne Bildung, hatte auch große Verehrung für Maimuni unddessen Schriften; aber er hatte sich ein für allemal den Lehrinhalt desJudenthums nach nachmani'schem Zuschnitt zurechtgelegt, und war empört,wenn Jemand es wagte, einen andern Maßstab daran anznlegen.
Commentar zu Hot III. 11. x. 18 b. Obalus II. x>. 15 f.
Vergl. Ninobat Xsrmot Ho. 93 x. 172 Anfang.
Alle diese Namen führt er in seiner Brief- und StreitschristensammlungNiuobirt Hsnaot. Vergl. Nsvus IV. 192 f.