Wirkung des Sohar.
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für gläubige Gemüther von ergreifender und erschütternder Wirkungsind die öfter angebrachten Ausrufungen im Sohar: „Wehe, wehedenen, welche das und das glauben, oder nicht glauben, oder nichtbeachten!" Zuweilen sind kurze Gebete eingestreut, die, erhaben undschwungvoll gehalten, geeignet sind, die Seele mit geheimuißvollemSchauer zu erfüllen Z. Er enthält kürzere oder längere Erzählungenund Geschichtchen in einer so eigenthümlichen Einkleidung, daß siedie Menschen jener Zeit ansprechen und anmuthen mußten. Sehrgeschickt schildert der Sohar öfter die Vergangenheit in einer so eignenBeleuchtung, daß die Zustände der damaligen Gegenwart durchschim-merten: „Kein Volk verachtet Israel so sehr und speit ihm so frechin's Gesicht wie die Söhne Edoms" (die Christen^). — „Es giebteine Klasse Menschen, die nur aus Eitelkeit Gutes thun, die daSynagogen und Lehrhäuser bauen, die Thora-Rolle schmücken, ihrkostbare Kronen aufsetzen, nicht aus frommem Sinne, sondern um sicheinen Namen zu machen. Es giebt andere, welche ihre Glaubens-brüder in der Nyth verlassen; obwohl sie in der Lage sind, ihnen bei-stehen zu können, unterlassen sie es und zeigen sich nur Andersgläubigengroßmüthig" 2). Selbst die eigenartigen Bezeichnungen, welche derSohar für die gangbaren kabbalistischen Formeln eingeführt hat, sinddarauf berechnet, durch ihren Doppelsinn das Interesse zu erregen.Er bezeichnet Gott und die Höherei: geistigen Substanzen sSefirot) inihrer Gesammtheit oder in einzelnen Partieen und Wirkungen als Vater,Mutter, Urmensch, Braut, Matrone, das weiße Haupt,das große und das kleine Gesicht,.der Spiegel, der höhereHimmel, die höhere Erde, Lilie, Apfelgarten und ähnlichesmehr. Die Frommen waren für den Sohar gewonnen, weil er jedemreligiösen Brauche, jeder Uebung eine höhere Beziehung, eine höhereWeihe, eine geheimnißvolle Wirkung beilegt.
So schlich sich ein neues Grundbuch für die Religion in denSchooß des Judenthums ein, welches die Kabbala, die ein Jahr-hundert vorher noch unbekannt war, neben Bibel und Talmud — undgewissermaßen noch höher stellte. Der Sohar hatte zwar nach dereinen Seite das Gute, daß er der juristischen Trockenheit des Talmud-studiums einen gewissen Schwung entgegensetzte, die Phantasie unddas Gemüth anregte und eine Stimmung erzeugte, welche der Verstandes-thätigkeit das Gegengewicht hielt. Allein der Schaden, den er dem Juden-thum gebracht, überwiegt diesen Gewinn bei weitem. Der Sohar ver-
1) Namentlich das auch in das Synagogenritual übergsgangene Gebet I'-M>i' 2 L> Sohgr II. x. 206 a.