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Geschichte der Juden.
um hinter das Geheimuiß zu kommen, der Frau die Hand seinesSohnes für ihre Tochter nebst Reichthümern, wenn sie ihm die Ur-schrift des Sohar, aus der ihr Gatte Copieen angefertigt haben solle,übergeben wolle. Da betheuerten Frau und Tochter: sie seiennicht im Besitze eines solchen Exemplars; Mose de Leon habe einsolches gar nicht besessen, sondern den Sohar aus eigenem Kopfe ver-faßt und mit eigner Hand geschrieben. Die Frau erzählte aufrichtig,sie hätte ihren Gatten öfter gefragt, warum er sein eigenes Geistes-erzengniß unter einem fremden Namen ausgebe. Darauf habe erihr entgegnet, daß der Sohar unter eigenem Namen ihm nichts ein-gebracht hätte, unter Simon b. Jochaä's Titel dagegen für ihn einereiche Einnahmequelle geworden sei.
Frau und Tochter haben also, ohne die Tragweite ihres gewißunanfechtbaren Zeugnisses zu kennen, Mose de Leon als Fälscher ent-larvt. Und dennoch fand der Sohar den unbedingten Beifall derKabbalisten, weil er einem Bedürfnisse entsprach: denn wäre er nichterfunden worden, hätte er erfunden werden müssen. Die kabbalistischeLehre, die schon so viel Geltung hatte, war bis dahin ohne festenHalt; sie hatte keine andere Autorität als die sehr zweifelhafteIsaaks des Blinden (o. S. 60). Die Kabbalisten waren noch dazuuneins unter einander geworden, weil sie keinen Grundtext für ihreTheorieen hatten. Sie waren auch schon mit ihrer Lehre auf denSand gerathen und konnte sie nicht ergiebig machen. Nun bestätigteihnen die ehrwürdige Gestalt eines Mischnalehrers im Wechselgesprächemit den abgeschiedenen Geistern und Himmelsschaaren, Engeln undSefirot Wahrheiten, die von vielen damals nicht nur bezweifelt, sonderngeradezu verlacht wurden. Sollten sie sich nicht daran klammern unddafür einstehen? Was Mose de Leon Simon b. Jocha'i in den Mundlegte, „daß Viele sich um das Buch Sohar, wenn es bekannt werdenwird, schaaren und ihren Geist am Ende der Tage damit nährenwerden", traf bald nach seinem Tode in der That ein. Brachte auchder Sohar den Kabbalisten nichts wesentlich Neues, so stellte er dochdas ihnen Bekannte in einer so eigenthümlichen Form und Sprache dar,daß sie davon betroffen waren. Es ist nämlich Alles darin auf Effekt,auf Illusion, auf Gefaugennehmung der Phantasie angelegt. Dielangen Unterredungen, welche Simon b. Jochar mit seinem Kreiseoder mit „dem treuen Hirten" hält, sind von dramatischer Kraft,namentlich die Scene, wo er in der Vorahnung seiner baldigen irdischenAuflösung das oft Verkündete noch einmal mittheilt Z. Effektvoll und
*) Die lära Lattra Sohar III. x>. 287 ff.