Der Sohar.
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aus, wie Abraham Abulafia, sondern spielt gewissermaßen mit denkabbalistischen Formeln wie mit Rechenpfennigen, mit dem En-Sof,mit der Zahl der Sefirot, mit Punkten und Strichen, mit Vocal- undAccentzeichen, mit den Gottesnamen und Versetzung ihrer Buchstaben,sowie mit Bibelversen und agadischen Sentenzen, würfelt sie untereinander in ewigen Wiederholungen und bringt solchergestalt dasUngereimteste zu Tage. Hin und wieder macht der Sohar einenAnsatz zu einem Gedanken, aber ehe man sichs versieht, verläufter sich in fieberhitzige Phantasien oder löst sich in kindische Spiele-reien auf.
Der Grundgedanke des Sohar (wenn man überhaupt dabei voneinem Gedanken sprechen darf) beruht darauf, daß die Thora mitihrer Geschichte und religionsgesetzlichen Vorschriften keineswegs deneinfachen Sinn bezweckt habe, sondern etwas Höheres, Geheimes,Uebersinnliches. „Ist es denkbar," läßt der Sohar einen aus demKreise des Simon b. Jochai ausrufen, „ist es denkbar, daß Gottkeine heiligeren Dinge mitzutheilen gehabt hätte, als alle diese gemeinenDinge von Esau und Hagar, von Laban und Jakob, von BileamsEsel, von Balaks Eifersucht auf Israel und von Simri's Unzucht?Verdient eine Sammlung solcher Erzählungen, in ihrer Einfachheitaufgefaßt, den Namen Thora? Und kann man von einer solchenOffenbarung aussagcn, sie sei die lautere Wahrheit? Wenn die Thoranur solches enthalten soll, bemerkt Simon b. Jochai (oder Mojede Leon), dann könnten wir auch in dieser Zeit ein solches Buch zuStande bringen, ja vielleicht noch ein besseres. Nein, nein, der höheremystische Sinn der Thora sei ihre Wahrheit; jedes Wort weise aufetwas Höheres, Allgemeines. Die biblischen Erzählungen gleichen viel-mehr einem schönen Kleide, welches Thoren so sehr entzückt, daß sie weiternichts dahinter suchen. Dieses Gewand decke aber einen Leib zu,uämlich die Gesetzesvorschriften, und dieser wieder eine Seele, diehöhere Seele. Wehe den Schuldigen, welche behaupten, die Thoraenthalte nur einfache Geschichtchen und also nur auf das Kleid sehen.Selig sind die Frommen, welche den rechten Sinn der Lehre suchen.Der Wein ist nicht der Krug und so ist auch die Thora nicht in denGeschichtchen i)." Damit hat natürlich die Geheimlehre Mose deLeons freien Spielraum, Alles und Jedes zu deuteln und als höherenSinn zu stempeln und so eine Afterlehre zu Tage zu fördern, dienicht blos unsinnig, sondern manchmal geradezu lästerlich und un-sittlich erscheint. Alle Gesetze der Thora seien als Theile und Glieder
*) Sohar III. p. 148, 152 a. Mlluns Lollar Xo. XIV. p. 37 auseinem andern Codex.