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Geschichte der Juden.
durfte? Der Sohar entschuldigt sich selbst öfter damit: weil die Zeit,in der Simon b. Jochai' lebe, eine besonders würdige und gnaden-reiche sei, und weil die Messiaszeit nahe sei, darum dürfe der solang verhüllende Schleier hinweggezogen werden. — Sehr geschickt istauch angegeben, wie das Buch zu Stande gekommen ist: Simonb. Jochai lehrte, ein R. Abba (der viel später gelebt hat) schriebnieder, und die anderen Zuhörer dachten darüber nach^).
Es giebt wohl schwerlich ein Schriftdenkmal, das so viel Einflußausgeübt hätte, wie der Sohar, und das ihm an Wunderlichkeit desInhalts und der Form gleich käme. Ein Buch ohne Anfang undEnde, von dem man nicht weiß, ob es je ein Ganzes ausgemacht hat,und ob die jetzt vorhandenen Bestandtheile ursprünglich dazu gehörthaben, oder später hinzugefügt sind, oder ob früher deren noch mehrvorhanden waren. Es besteht aus drei Haupttheilen: dem eigentlichen„Sohar", dem treuen Hirten (Rasju Nsbemim) und dem ge-heimen Midrasch (Niärasob Xeölaw), die aber in ihrer jetzigenGestalt öfter in einander fließen und mehrere Anhängsel haben: dasBuch der Geheimnisse, Geheimnisse der Lehre, Zusätze, Er-läuterungen (siebzig und noch mehr an der Zahl^), von denen esungewiß ist und sich schwerlich wird ermitteln lassen, wie sie sich zuden Hauptbestandtheilen Verhalten. Diese Formlosigkeit, dieser Wirrwarrhaben es möglich gemacht, daß gewisse Partieen von späterer Handnachgeahmt wurden^). Es ist so leicht und so verlockend, diesen wüstenund doch tönenden Styl nachzubilden. So wurde die Fälschung
überfälscht. Man weiß auch nicht recht, ob man den Sohar als einenfortlaufenden Commentar zum Pentateuch, oder als ein theosophischesLehrbuch, oder endlich als eine kabbalistische Predigtsammlung anseheusoll. Und ebenso wunderlich, wirr und wüst wie die Form unddie äußere Einkleidung ist auch sein Inhalt. Der Sohar mit seinenNebenpartieen und Anhängseln entwickelt keineswegs ein kabbalistischesSystem wie etwa Asriel (o. S.' 63), spinnt auch keinen Gedanken
1) Das. III. 287.
2) non-rri niso , NIM NNO , nnrmn ,1.1, 'NP1
0) Einer der Annotatoren bemerkt zu Sohar I. x. 22: ,rn u"°> irw °niii n--n in,.-> 2 . Jndeß ist dieses noch nicht so ausgemacht. Richtigist, was die Editoren zu Anfang 'nn bemerken, daß mehrere Seiten (I. 212—216 n.) nicht zum Sohar gehören; in der That fehlen sie in der CremonenserEdition. Der Kabbalist Abraham Lern (Anfang des XVI. 8use.) bemerktin seinem Werke yiup niL- 2 , daß zu seiner Zeit ein Stück Sohar zu Numeri10, 35, fabricirt worden sei, um aus dem nwwn (der Klammer ähnlichen
Nun-Figuren) die Messiaszeit zu berechnen, dessen Verfasser er kenne(wahrscheinlich der messianische Schwärmer Salomon Molcho).