Die Propheten von Ayllon und Avila.
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der Weisheit" und dazu noch einen weitläufigen Commentar (ohneden man sich damals ein einigermaßen respektables Buch nicht denkenkonnte). Darüber waren nun die Avilenser und entfernte Gemeinden,die davon hörten, außerordentlich verwundert. Ein deutscher talmud-kundiger Wanderer, Namens R. Dan, der sich damals in Avila auf-hielt, bestätigte mit seinem Zeugnisse das Wunder des unwissendenPropheten von Avila. Der Vorfall zog die Aufmerksamkeit in außer-ordentlicher Weise auf sich, und die Gemeindevertreter von Avilawandten sich an die letztentscheidende Autorität jener Zeit, an SalomoBen-Adret, sie zu belehren, ob sie an diese neue Prophetie glaubensollten.
Der Rabbiner von Barcelona, der, wiewohl halb und halb einAnhänger der Geheimlehre, doch nur den biblischen und talmudischenWundern Glauben schenkte, erwiderte darauf Folgendes: er würdeden Vorgang des Propbeten von Avila für einen argen Betrughalten, wenn er ihm nicht durch glaubwürdige Männer bezeugt undbestätigt worden wäre. Nichtsdestoweniger könne er den Mann nichtals einen Propheten anerkennen, denn es fehlten ihm die Grund-bedingungen, unter denen der Talmud die Prophetie für möglich aus-gebe. Außerhalb Palästinas sei die Prophezeiung überhaupt- un-möglich. Auch sei das Zeitalter nicht würdig für prophetischeOffenbarung, und endlich könne der prophetische Geist nicht auf einemganz Unwissenden ruhen. Es sei unglaublich, daß Jemand als Idiotzu Bette gehe und als Prophet aufstehe. Die Geschichte bedürfe dersorgfältigsten unparteiischen Untersuchung. Haben es doch die Israelitenbei Mose's Auftreten in Egypten, in jener gnaden- und wnnderreichenZeit, an Prüfung und Zweifel an seiner Sendung nicht fehlen lassen,und er mußte seine Verkündigung durch Wunder bewähren; um wieviel mehr sei man genöthigt, in dieser „verwaisten" Zeit einen solchenVorfall zu prüfen, zumal in der letzten Zeit auch Betrüger und Aben-teurer mit Wunderthuerei aufgetreten seien.
Doch trotz dieser Warnung von Seiten des angesehensten Rab-binen setzte der Prophet von Avila sein Treiben fort und bestimmteden letzten Tag des vierten Monats (Tebet oder Tammus? 1295»als Beginn der messianischen Erlösung. Die leichtgläubige und un-wissende Menge bereitete sich darauf vor, fastete und spendete reichlichAlmosen, um im eintretenden Messiasreiche würdig befunden unddessen theilhaftig zu werden. Am bestimmten Tage eilten die Be-thörten, wie am Versöhnungstage gekleidet, in die Synagoge und er-warteten dort die Posaunen der messianischen Erfüllung zu vernehmen.Aber es zeigte sich weder der erwartete Messias, noch ein Zeichen