Abraham Abulafia.' 193
samen Weg des stufengängigen Erlernens, den Springquell der Wahr-heit öffne.
Endlich glaubte Abulafia das, wonach seine Seele rang, ge-funden zu haben. Durch göttliche Eingebung glaubte er auf einehöhere Kabbala gekommen zu sein, gegen welche die niedere Geheim-lehre und die Philosophie nur Dienerinnen seien. Diese allein bietedas Mittel dar, mit dem Weltgeist in innigen Verkehr zu treten undprophetische Fernsicht zu erlangen. Dieses Mittel war keineswegsneu, aber der feste Glaube an dessen Wirksamkeit und die Anwendungdesselben sind ihm eigen. Die Wörter der heiligen Schrift undnamentlich des allerheiligsten Gottesnamens in Buchstaben zerlegen,diese als selbstständige Begriffe festhalten (Notarioou), oder die Be-standtheile des Wortes in alle mögliche Wandlungen umsetzen, umeigene Wörter daraus zu schaffen (2>ruk), oder endlich die Buchstaben alsZahlen behandeln (6ematria), das sei zunächst der Weg, in Wechsel-verkehr mit der Geisterwelt zu kommen. Jedoch dieses allein genügenicht. Wer einer prophetischen Offenbarung gewürdigt sein will,müsse asketische Vorkehrungen treffen, müsse sich vom Weltgewühl fern-halten, sich in ein stilles Kämmerlein einschließen, seinen Geist vonniederen Sorgen befreien, sich in weiße Gewänder hüllen, mit Gebet-mantel und Gebetriemen umgeben, die Seele andächtig sammeln, alswenn sie zu einer Unterredung mit der Gottheit erscheinen sollte.Dabei müsse man die Buchstaben der Gottesnamen in längeren oderkürzeren Pausen mit Modulationen der Stimme aussprechen oder siein einer gewissen Reihenfolge niederschreiben, anstrengende Bewegungen,Windungen und Verbeugungen dabei machen, bis die Sinne wirr unddas Herz mit einer Gluth erfüllt werde. Dann werde der Körpervom Schlafe überfallen und es trete ein Gefühl ein, als wenn dieSeele sich vom Leibe löse. In diesem Zustande, wenn er durchUebungen dauernd wird, ergieße sich die göttliche Fülle in die mensch-liche Seele, sie vereinige sich mit ihr „in einem Kusse", und dieprophetische Offenbarung sei eine ganz natürliche Folge davonDieses Mittel, sich in den Zustand der Verzückung zu setzen, hatAbulafia wohl an sich selbst augewendet und dadurch seinen schwärme-st Diese Alfanzereien entwickelt er in: no.n oinp "n iso und in: im
bei Jellinek Philosophie und Kabbala x. 40, 41, 43 f. Entweder Abulafiaoder ein ähnlicher Schwärmer legte solchen Unsinn sogar Maimuni in denMund. Die pseudepigraphische Schrift o'ioo (in Ollsracla 6-snu.ss,
x. 42 ff.), worin Maimuni angeblich seine Philosophie dementirt und denStandpunkt der Kabbala einnimmt, giebt ähnliche Mittel an, den prophetischenGeist zu erwerben.
Gr aetz, Geschichte der Juden. VII.
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