Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190

Geschichte der Juden.

G'ikatilla und Mose de Leon, sämmtlich Spanier. Sie habendas Geisteslicht, das die Kraftmänner von Saadia bis Maimuni inner-halb des Judenthums hellleuchtend gemacht, mit dem Düster eineswüsten Wirrwarrs verdunkelt und an die Stelle eines geläutertenGottesglaubens phantastische, ja gotteslästerliche Wahngebilde gesetzt.Die Verfinsterung der folgenden Jahrhunderte in der Judenheit istzum großen Theil ihr Werk. Sie haben ihre Zeit und die Nachweltdurch geflissentliches oder unabsichtliches Gauklerwerk in die Irregeführt, und die Schäden, die sie dem Judenthume beigebracht, sindnoch bis auf den heutigen Tag fühlbar.

Der Unschuldigste von diesen vier war noch Isaak b. AbrahamJbn-Latif oder Allatif (geb. um 1220, st. um 1290^). Erstammte wohl aus Südspanien, da er noch des Arabischen kundigwar. Von seinen Lebensumständen ist gar nichts bekannt, nur dasEine, daß er mit Todros Abulafia in Verbindung stand und ihmeins seiner Werke widmete. Seine Schriften nehmen sich aus, alswenn er, wie ein Späterer von ihm urtheilte,mit einem Fuße inder Philosophie und mit dem andern in der Kabbala gestanden hätte".Allein Allatif spielte nur mit philosophischen Formeln, ihren Inhaltscheint er gar nicht erfaßt zu haben. Er war überhaupt gedankenleerund hat auch die Kabbala nicht bereichert, wenn er sich auch denSchein zu geben suchte, einen eigenen Weg zu gehen und die gang-bare kabbalistische Sprache geflissentlich vermied^). Ganz frei vonVerstellung war auch er nicht. Auch Allatif ging von dem Gedankenaus, die philosophische Betrachtung des Judenthums sei nichtderrechte Weg zum Heiligthume" ^), darum müsse eine höhere Auffassungs-weise angestrebt werden; aber anstatt diesen Weg klar zu machen,

1) lieber das Bibliographische vergl. außer den Bibliographen: Onrinol^Lsvus orisntnls I. p. 61 p. Von Latifs Werken sind gegenwärtig vollständiggedruckt: Commentar zu Lostslst s. n. sb l. (IVolt III. p. 585); 1127, 1112(in Xsrsrn Ostsrnsä IX. p>. 154 f.) und abip.i nur (Wien 1862 8. 8tsrn),beide später verfaßt, da er die früheren Schriften darin citirt. Ueber sein Werkv'vV.i ipr- vergl. S. Sachs, Xsrsin Ostsrnsä VIII. x. 88 sf. Das unterdemselben Titel Jbn-Esra zugeschriebene gehört nicht diesem, sondern Allatifan. Sein Zeitalter ist durch seine Beziehung zu Todros Abulafia gegeben(vergl. Note 12). In seinem ^ 27 , soll Allatif im Vorworte angeben, erhabe das 8ssts.nr stn-8olis.rng.jiin vollendet ": '.1 01 ^. 1244. Diese Zahlfehlt aber in der Ausgabe in Kochbe Jizchak von Stern 1862, x. 7, wohl abersagt er das., er Habs dieses in der Jugend verfaßt, 'in im Alter und nochspäter 1127, 1112.

°) Vergl. das ziemlich richtige Urtheil über ihn in Isaak b. Scheschet Lssxx-Xo, 157 gegen Ende.

2 ) 2nrs.ii sts-OIsrn.