Todros Abulafia.
189
erscheint, für unglaublich und unmöglich halten. „Sie wandeln imDunkeln und können das Dasein der überirdischen Geister nicht be-greifen und noch viel weniger den höchsten Geist, der dem menschlichenVerstände vollständig unzugänglich ist" Z. Er war voller Entrüstunggegen diejenigen, welche den Gesetzen der Thora handgreifliche Zweckeunterlegten und dem Opfercultus eine so niedrige Bedeutung beimaßen.Selbst an Maimuni, den er sonst doch verehrte, rügte er, daß er dasOpferwesen so sehr herabgezogen, es lediglich als Anbequemung anden heidnischen Sinn des Volkes und das Räucherwerk im Tempelals Mittel zur Luftreinigung erklärt habest. Er kämpfte leiden-schaftlich gegen die Philosophie, welche das Dasein von bösenGeistern leugne: das hieß nach ihm auch das Dasein der Engel be-zweifeln^). Von einem der älteren Kabbalisten, vielleicht von Jakobans Segovia, der eine eigene Schule bildete, in die Geheimlehre ein-geweiht, betrachtete er sie als eine göttliche Weisheit, deren Schleierfür Laien zu lüften mit Gefahr verbunden sei st. Neues hat TodrosAbulafia für die Kabbala nicht aufgestellt) er verhielt sich nurempfangend zu ihr, und seine Bemühung ging nur dahin, die kabba-listischen Gemeinplätze von den zehn geistigen Substanzen (Sefirot),ihrem Einfluß nach oben und unten und der Seelenwanderung zurLäuterung der Geschlechter, die für ihn unbestreitbare Lehren desJudenthums waren, in den Worten der talmudischeu Agada nachzu-weisen. Freilich mußte er, wie alle Kabbalisten vor und nach ihm,zur Umdeutung und Verrenkung des einfachen Sinnes Zuflucht nehmen-Er verfaßte im hohen Alter zu diesem Zwecke ein eigenes Werk(Orar da-Uaboä). Todros war auch talmudisch gelehrt und hat einerein talmudische Schrift hinterlassen st, was seinem Eintreten für dieKabbala um so größeres Gewicht verlieh.
Die Anerkennung der Geheimlehre durch eine so hochgestellte undgefeierte Persönlichkeit konnte nicht ohne Anregung bleiben. SeineSöhne Levi und Joseph vertieften sich ebenfalls in sie. Zwei vonden vier Kabbalisten seiner Zeit, welche die Kabbala weiter führtenund ihr die Gemüther unterwarfen, schaarten sich um Todros Abulafiaund widmeten ihm ihre Schriften. — Diese vier Kabbalisten erstenRanges, welche mit mehr oder weniger Glück neue Theorien geltendmachten, waren Isaak Jbn-Latif, Abraham Abulafia, Joseph
st In seinem kabbalistischen Werke O^ar lla-Ladoä 2 d. Er verfaßteauch ein anderes kabbalistisches Werk, vergl. oben S. 131, Anm. 2.
st Das. x. 16 b. st Das. p 39.
st Oester in genanntem Werke.
st mr»' nstx, vergl. Asulai und andere Bibliographen.