178 Geschichte der Juden.
trieb sie noch in demselben Jahre die Juden aus der ihr gehörigenStadt Cambridges und nährte Persönlich im ganzen Lande, be-sonders unter der christlichen Kaufmannschaft, den feindseligsten Geistgegen sie.
Nun begann fast gegen den Willen des Königs eine Reihevon Plackereien, welche unglaublich klingen würden, wenn sie nichtdurch echte Urkunden bewahrheitet wären. Bis dahin hatte sich dasParlament gar nicht mit den Juden befaßt; sie galten als Leute desKönigs, über die dem Volke und dem Adel keinerlei Befugnisse zu-standen. Seit der Zeit, aufgestachelt von den Dominikanern und derKönigin-Mutter, setzte das Haus der Gemeinen ein Statut durch(statuto ok Uuäaisw^), welches den feindseligsten kirchlichen Geist athmet.Der Wucher wurde den Juden vollends untersagt. Wohnen durftensie nur in königlichen Städten und Burgen. Wenn sie Schuldenexekutorisch einzuziehen hatten, durften sie nie mehr als die Hälftedes Vermögens dem Schuldner entziehen. Jeder Jude vom zwölftenLebensjahre an sollte dem König zu Ostern drei Pence zahlen. Werdem zuwider handelte, sollte bis zum nächsten Ostern aus dem Laudegewiesen werden. Das Haus der Gemeinen schärfte ferner das Tragenvon Judenabzeichen ein, bestimmte Größe und Farbe desselben (gelbstatt weiß) und untersagte ihnen jeden Verkehr mit Christen. DerKönig behielt sich indessen vor, daß sie, als nur ihm unterthänig,Häuser und Höfe kaufen, Ländereien in Pacht nehmen und Handeltreiben dürften. Wenn ein englischer Schriftsteller mit Recht bemerkt,daß die Juden in England ebenso wie ihre Vorfahren in Egyptenbehandelt wurden, nur daß sie statt Ziegelsteine Gold zu liefernhatten b), so trifft dieser Vergleich auch in dem Punkte zu, daß manihnen nichts ohne Opfer bewilligte und doch von ihnen das Maßder Leistungen vollzählig verlangte. Denn selbst das Privilegium,Handel zu treiben, mußten sie sich vom Könige bewilligen lassen unddafür Geld geben ^).
Bald bot sich den Feinden der Juden eine günstige Gelegenheit,mit schwerer Anklage gegen dieselben aufzutreten. Es circulirten inEngland falsche Münzen, die ans dem Auslande eingeführt mordenwaren; auch inländische Münzen wurden öfter beschnitten. Die An-klage fiel auf die Juden, daß sie die alleinigen Urheber und Ver-
st Dieselbe Note.
ch Mitgetheilt bei x. 200 ff.; Fortsetzung der Chronik von Florenz
of Worcester (sä Uouäon 1840) p. 214 f. -
2) Dovsv das. p. 109.
r) Das. 207.