Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
157
Einzelbild herunterladen
 

R. Mett von Rothenburg und Salomo Petit.

157

fragen an Mett von Rothenburg. Seine Frömmigkeit war über-triebener Art. Die französischen Rabbinen hatten gestattet, im Winteram Sabbat die Zimmer durch Christen erwärmen zu lassen. Mettvon Rothenburg mochte den Sabbat auch auf indirekte Weise nicht ent-weihen lassen. Er verrammelte sogar die Ofenthüre in seinem Hanse,um der zuvorkommenden Dienerin, welche ihm mehrere Maleungeheißen den Ofen geheizt hatte, zu wehren^). Ueberhaupt waren diedeutschen Juden viel skrupulöser als die anderer Länder und fastetennoch immer den Bersöhnungstag zwei Tage hintereinander^). Einerabbinische Berühmtheit war zu seiner Zeit für Ostdeutschland Abi-gedor b. Elia Kohen in Wien. Schwager des Mose von Couch(o. S. 57), der. ebenfalls ein Jünger französischer Rabbinen, Tossafotverfaßte oder sammelte und, eine geachtete Autorität, gutachtliche Be-scheide ertheilte. Ehrend äußerte sich Mett von Rothenburg über ihnin einer Erwiderung auf eine Anfrage der Wiener Gemeinde an ihn:Ihr habt in dem Kohen die Bundeslade und den Brustschild ineurer Mitte, wozu fragt ihr mich an?" st.

Wie sich die deutschen Rabbinen zu der von Mose Taku neuangeregten Verketzerung der Wissenschaft und Maimuni's verhielten,ist zwar nicht beurkundet, läßt sich aber ohne weiteres aus einemVorgänge folgern, der auf einem andern Schauplatze viel Aergernißhervorrief. Eiu französischer oder rheinländischer Kabbalist, dernach Jean d. Acre (Akko) ausgewandert war, Namens SalomoPetitst, war von fast noch größerem Eifer als Mose Takn beseelt.Er machte sich zur Lebensaufgabe, den Brand zu einem neuen Scheiter-haufen für die maimunischen Schriften anznschüren und auf dem Grabeder Philosophie die Fahne der Kabbala aufzupflanzen. In Akkohatte er einen Kreis von Jüngern um sich, die er in die Geheimlehreeinweihte und denen er wunderliche Geschichtchen erzählte, um diePhilosophie zu verdächtigen. Als einst Jemand die Geistestiefe desBegründers der Philosophie (Aristoteles) bewunderte und meinte, daßer fast ein Gottesmann gewesen sei, theilte Salomo Petit eine Fabel,die er als wahr bezeugte, von ihm mit: Derselbe sei so wenig einemGottesmanne ähnlich gewesen, daß er sich vielmehr durch seine Unsitt-

st Lssxx. Mett von Rothenburg (Polio) No. 94 Rssxp. Chajim Or-Sarua Ho. 199. HuAullob Naivaurü zu Ladbar o. VI.

st Ilsoxx. M. v. Rothenburg Ho. 76.

st Das. No. 102. Vergl. darüber Zunz zur Geschichte S. 38. Scharr inZion II. x 112 f. Ben-Jacob ^.ääitarnsitta zu Asulai Bibliographie p. 170.No. 72.

st Vergl. über ihn und das Folgende Note 8.