Ben-Adret, Aaron Halevi und Raimund Martin. 149
zn Alfaßi und kritisirte Ben-Adret's Praktisch-Halachische Werke sösäelrIm-Lajit) mit der Schonung des höheren Alters. Nichtsdestowenigerwar dieser so empfindlich darüber, daß er in einer Rechtfertigungs-schrift (Wsobmärst Im-8uj!t) seinen literarischen Gegner nicht sehrglimpflich behandelte. — Aaron Halevi war ebenfalls bemüht, inseinen Talmud-Commentarien die Agadas annehmbar und vernünftigzu erklären. Den Auferstehungsglauben legte er auf eine eigenthüm-liche, der damaligen Zeit wenig zusagende Weise zurecht. Da derMensch nun einmal aus Leib und Seele besteht und ohne Körper garnicht gedacht werden kann, so müsse man annehmen, daß zur Auf-erstehungszeit die Verstorbenen wieder einen Leib annehmen und über-haupt menschlich, mit Sinneswerkzeugen versehen, leben würden. DerLeib werde aber nach Erreichung einer hohen Geistesstufe sich wandelnund häuten, werde eine ätherische Natur aunehmen, so daß derseelisch und körperlich geläuterte Mensch im Stande sein werde, wieElia, in die Gottesnähe zu kommen und die himmlische Herrlichkeitzu schauen Z. Auch Aaron Halevi genoß in seiner Zeit hohes An-sehen, wurde zum Rabbiner der größten Gemeinde Spaniens ernannt,weilte aber nur kurze Zeit iu Toledo und wurde im höheren Alterberufen, das Rabbinat von Montpellier und der Umgegend zu be-kleiden. Auch er hatte einen Kreis von begabten Jüngern um sich.Und dennoch behielt Ben-Adret die ausschließliche Führerschaft überdie nahen und fernen Gemeinden. Dieser Vorzug ist ihm aber wegenseines unermüdlichen Eifers eingeräumt worden, mit dem er dasJudenthnm gegen Angriffe, mochten sie von Innen oder von Außengekommen sein, zu vertheidigen bestrebt war.
Die verderbenschwangere Wolke, welche sich über die Juden derPyrenäischen Halbinsel zwei Jahrhunderte später ergießen sollte, fingschon in Ben-Adret's Zeit au, sich iu dunkeln Streifen zu sammeln.Die Mittel, welche der fanatische Dominikanergeneral Raymnndde Penjaforte zur Bekehrung der Juden geschaffen hatte, begannenins Leben zu treten. Die Versuche der westgothisch - spanischen Zeit,einerseits durch judenfeiudliche Schriften auf die Fürsten und Gesetz-geber einzuwirken und andrerseits die Juden von ihrem Glaubenabtrünnig zu machen, sollten sich im Großen wiederholen. Aus derAnstalt, welche Raymund de Penjaforte gegründet hatte, um die Do-minikanermönche mit der jüdischen und arabischen Literatur als Mittelzur Bekehrung vertrant zu machen, ging ein Mönch hervor, welcher
De. Rosin, ein Kompendium der jüd. Gesetzeskunde im Jahresbericht d. jüd.theol. Seminars 18°N.
9 Citat aus seiner Agada-Erklärung in ^Ibo's Ilibaiiua IV. >10.