Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

Die Mongolen.

127

Tief schmerzlich waren Nachmani's Empfindungen über den Zu-stand des heiligen Landes und der heiligen Stadt. Er fand seineHoffnungen noch mehr getäuscht als Jehuda Halevi. Die Mongolenoder Tataren hatten daselbst unter dem Sultan Hulagu einige Jahrevorher (1260) grausige Verwüstungen angerichtet. Die erstaunlichraschen Eroberungen der Mongolen hatten die Völker Asiens undEuropas förmlich betäubt. Während diese ihre Kräfte in kleinenKriegen und arglistigen Verhandlungen lähmten, hatten jene ein Reichgegründet, das an Ausdehnung seines Gleichen noch nicht hatte, undsie drangen immer weiter vor. Fromme Christen, welche die Spal-tung der Christenheit in Folge der Fehden zwischen Kaiser und Papsttief beklagten, sahen die Mongolen als Zuchtmeister für ihre schwerenSünden an. Einige erblickten in ihnen den Antichrist mit den VölkernGog und Magog, welche dem Wiedererscheinen Jesu vorangehen sollten.Der Großchan Hulagu hatte Bagdad eingenommen, dem abassidischenChalifat ein Ende gemacht und ein neues Reich, das persische oderiranaische Chanat, gegründet. Er richtete sein Augenmerk auf dasegyptische Sultanat, eroberte die Euphratfestungen Damaskus, Haleb,Baalbek, drang nach Palästina vor, nahm Nablus (Sichem) mit Sturmund kam über Hebron und Beit-G'ebrin (Bet-Gabrin) bis Gaza.Jerusalem wurde in einen Trümmerhaufen verwandelt, sämmtlickeBewohner hatten es verlassen (1260). Die Juden hatten ebenfallsan diese außerordentlichen Ereignisse messianische Hoffnungen geknüpft.Diehäßlichen Männer von Osten", welche zugleich die beiden Be-drücker Israels, die Anhänger Jesu und Mahommed's, demüthigten,könnten für Israel die Stunde der Erlösung bringen. Ein Schwärmerließ den von der Geheimlehre so oft heraufbeschwornen Simon b. Jocharvon Neuem eine Offenbarung ertheilen, daß die Verwüstungen derMongolen die Leiden seien, welche dem Messias vorangehen müßtenIndessen ist diese Hoffnung, wie viele andere, nicht in Erfüllung ge-gangen. Obwohl die morgenläudischeu Inden meistens auf Seiten derMongolen standen oder mindestens ihnen keinen Widerstand geleistethatten, so wurden sie doch von dem schonungslosen Verfahren derSieger hart betroffen.

Nachmani, der einige Jahre später in Palästina eintraf, als dieMongolen bereits von dem egyptische» Sultan aus Palästina ver-trieben worden waren, fand noch viel Ruinen daselbst und be-schreibt sie mit beredten Worten:Je geheiligter eine Stätte ist, destogrößer ist ihre Verödung; Jerusalem mehr als das übrige Inda,

^) Dieselbe Note.