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Geschichte der Juden.
er besser zu beurtheilen wissen, was im Judenthum Rechtgläubigkeitund was Unglaube sei. Sein jüdischer Gegner ließ sich aber dadurchnicht irre machen und rechtfertigte seinen Ausspruch: daß der Judenur an die Wahrheit der Bibel und an die talmndische Auslegung,so weit sie die religiöse Praxis betrifft, zu glauben habe, die agadischeDeutung dagegen dürfe er getrost, wie Predigten (sormones), ebensogut verwerflich wie annehmbar finden, je nachdem sie seinem Geistewidersteht oder zusagt. Einen andern kühn hingeworfenen Aus-spruch, daß der christliche König ihm werther sei als der Mes-sias, rechtfertigte Nachmani durch folgende Bemerkung: es sei für ihnwie für die Juden überhaupt mehr Verdienst, wenn sie unter einemchristlichen Herrscher, im Exile, unter Demüthigungen und Schmähungendas Gesetz des Judenthums erfüllten, als wenn sie es unter einem mächtigenjüdischen Könige in Wohlstand und in Freiheit thäten. Denn derMessias sei nur als König von Fleisch und Blut zu betrachten. —Einen ^schlagenden Einwurf gegen Jesu Messianität, der schon vonälteren Polemikern geltend gemacht wurde, ließ Nachmani nicht un-berücksichtigt. Sämmtliche Propheten verkündeten, daß zur Messias-zeit eine sittliche Gehobenheit unter den Menschen allgemein herrschen,und daß namentlich Krieg und Blutvergießen aufhören würden. Aberseit Jesu Erscheinen sei die Welt erst recht von Gewaltthätigkeit undUngerechtigkeit voll geworden. Die Christen seien unter allen Völkernam meisten kriegerisch gesinnt, d. h. Blutvergießer. Und sich an denKönig wendend, bemerkte Nachmani: „Es dürfte dir, o König, undDeinen Rittern schwer fallen, das Kriegshandwerk aufzugeben, wie esdas Eintreten der messianischen Zeit erfordert!"
Da sich Nachmani in den ersten drei Tagen mit Freimuth, wennauch würdevoll, über das Christenthum geäußert hatte, so bat ihndie Barcelonaer Judenschafl, das Disputiren einzustellen, weil sieVerfolgung von Seiten der Dominikaner fürchteten. Auch Ritter undGeistliche warnten ihn, sich nicht von seinem Freimuth Hinreißen zu lassen.Ein angesehener Franciskanermönch, Fray de Genova, neidisch ansden Einfluß der Dominikaner auf den König, redete ihm ebenfalls zn,die Disputation abzubrechen. Auch die christliche Bürgerschaft vonBarcelona interessirte sich für die Juden und wollte die Aufreizunggemieden wissen. Nachmani theilte diese Thatsache dem Könige mit,und da dieser auf die Fortsetzung der Disputation bestand, so wurdedas geistige Turnier fortgesetzt. Nachmani ging zuletzt siegreich hervor,denn Pablo war dessen schlagfertiger Widerlegung nicht gewachsen.Der König bemerkte am Ende in einer Privataudienz gegen Nach-mani: er habe noch nie eine so ungerechte Sache so geistvoll ver-
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