Plackereien gegen die Juden von England. 113
wieder zu füllen. Eine erhaltene Urkunde giebt eine Vorstellung vonden Gelderpressungen, welche Heinrich III. den Juden anferlegte. Insieben Jahren hatten sie 422,000 Pfund Sterling, (beinahe dreiMillionen Thaler) aufbringen müssen^). Ein einziger Jude, Aaronvon Jork, hatte dem König in sieben Jahren 30,000 Mark Silbersund außerdem der Königin 200 Mark Goldes leisten müssen^). Weilder Oberrabbiner Elia von London die Gemeiudeglieder nicht genugim Interesse des Königs schinden mochte, entsetzte ihn Heinrich seinesAmtes und stellte es den Juden frei — für eine Summe — sichihren Geistlichen selbst zu wählen^).
Inzwischen wurden in England wie überall Anschuldigungen wegenChristenkindermordes gegen die Juden erhoben. Die Dominikanereiferten mit ihrer giftigen Beredsamkeit für Bestrafung derselben.Mehrere von ihnen wurden in den Kerker geworfen; aber die Franzis-kaner befreiten sie daraus. Der boshafte, zeitgenössische MönchMatthäus Paris bemerkt dabei: die böse Welt meinte, die Minoriten-mönche hätten sich ihre Freundlichkeit gegen die Juden bezahlen lassen^).Allein dieses beweist nicht die Schuld der Juden an Kindermord,sondern nur, daß die Franziskaner sich auch einmal für eine gerechteSache gewinnen ließen. Die Wühlereien der fanatischen Dominikanergegen die Juden hatten dem Volke einen so tiefen Haß gegen denjüdischen Stamm beigebracht, daß, als es in England zuerst gesetzlichals dritte Macht im Staate auftrat und sich gegen die königliche An-maßung erhob, es zugleich über die Juden in London herfiel, ihreSchätze raubte und 1500 derselben todtschlug (Osterwoche 1264Die übrigen Juden retteten sich nach dem Tower, wo sie der Königschützen ließ; aber ihre Häuser fielen den räuberischen Baronen zu.Die Juden verarmten dadurch so sehr, daß sie ihre regelmäßigenSteuern nicht leisten konnten, und Heinrich mußte ihnen, um sie nichtganz verarmen zu lassen, eine dreijährige Nachsicht gewähren (1268 ^).König und Parlament verboten ihnen noch dazu, Lehnsgüter und über-
lliorä Lolls bei Tovey x. 237 f. Tovey bemerkt zwar, er habe in derUrkunde nur die Zahl gnacirinASnti viMnti äno libri gelesen, aber dieTausend müssen ergänzt werden, denn die Zahl 422 ist gar zu gering.
2) Tovey x. 108.
Tovey p. 58.
4) Matthäus Paris a. a. O. s.4 nnnuiii 1257 p. 922.
5) Quellen bei Pauli Geschichte Englands III. S. 764. Diese sprechen
zwar nur von 500 getödteten Juden, das Mainzer Memor-Buch hat aber dieZahl 1500: 'wum riw'si romo i"ie md.n am "u 'dn.n.
") Tovey x. 167.
Graetz, Geschichte der Juden. VII. 8