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Geschichte der Juden.
Er gab sich Mühe, sein Buch so populär und bequem als möglich zu machen,weil er nicht mehr auf allgemeines, leichtes Verständuiß rechnen konnte,und erließ ein Sendschreiben an die Gemeinden Frankreichs undDeutschlands, für Abschriften und Verbreitung seiner Schrift Sorgezu tragen. R' Mose aus Evreux, R' Elieser aus Touques(Normandie), R. Perez b. Elia aus Corbeil und Andere legtenebenfalls Tossafot-Sammlungen an *), ohne wesentlich Neues hiuzu-zufügen. Die tossafistische Richtung in Frankreich ging durch denFanatismus der Bettelmönche und die Bigotterie des Königs Ludwig IX.unter.
Fast noch trostloser war die Lage der Juden in England in der-selben Zeitepochk unter dem lange regierenden König Heinrich III.(1216—1272). Heinrich war zwar kein Tyrann, wie sein VaterJohann ohne Land, und war auch anfangs mild und freundlich gegendie Juden. So' lange er unmündig war und der Regent GrafMar es call die Zügel führte, wurden sie mit voller Schonung be-handelt. Erlasse gingen an die Sherifs, sie gegen Unbilde von Seitendes Pöbels zu schützen; den Geistlichen wurde eindringlich bedeutet,daß ihnen keine Gewalt über die Juden zustande ^). Den auswärtigenJuden gestattete Heinrich oder der Regent volle Freizügigkeit für dasganze englische Gebiet, und den einheimischen verwehrte er — wohlnicht aus besonderer Zärtlichkeit — nach einem anderen Lande aus-zuwandern ^). Wie sein Vater, so ernannte auch Heinrich einen Ober-rabbiner für sämmtliche jüdische Gemeinden (presdMr lluüasorum),zuerst einen Jo eens (Jose?), dann Aaron von Jork und zuletztElias von Londons — und zwar auf lebenslänglich. Der eng-lische Großrabbiner hatte eine sehr bedeutende Machtbefugniß überdie Gemeindeglieder. Er war zugleich königlicher Fiscal (justitiarus)über die Einkünfte des Königs von Seiten der Juden. Er mußte miteinigen jüdischen oder christlichen Collegen für das Einträgen der Be-sitztümer der englischen Juden in Rollen (rotuli), für die Ablieferungder Judensteuer an den Schatz (sxobegusr ot' tim Ions! und für dieEinziehung der dem königlichen Fiscus heimfallenden Güter solcher,
1) Vergl. Zunz zur Geschichte S. 38, 39, 41. Nach Mose hieß eine Samm-lung die Evreux-Tossafot: .-man nwvm und nach Elieser die Touques-Tossafot: 112 rnpom. Perez b. Elia, gekürzt oder s"i.nr> genannt, machteGlossen zu ^.rmräs Ololu, starb 1300.
2 ) Urkunde bei illovs^ ^.UAlia juäuias, x. 77—79 schon vom Jahre 1217.
2 ) Das. x. 81 vom Jahre 1218.
4) Dal. x. 55, 61, 137. Elia von London wird auch in rabbinischenSchriften citirt, Zunz zur Geschichte S. 98.