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Geschichte der Juden.
Juden coufisciren, um Geld zum Krieg zu haben. Als er zum Be-hufe des Kreuzzuges in Egypten Krieg führte und in Gefangenschaftgerieth (April—Mai 1250), und ihn die Mohammedaner neckten:daß er, der allerchristlichste König, die Feinde des Christenthums inseinen Staaten duldete, erließ er einen Befehl, sämmtliche Juden mitAusnahme der Gewerbetreibenden, aus seinem Erblande zu verbannen^).Indessen hat seine kluge Mutter, die Königin Blanche, wohl schwer-lich diesen unsinnigen Befehl ausgeführt. Nach dem Tode feiner
Mutter und nach seiner Rückkehr (December 1254) machte er abermit der Austreibung der Juden Ernstes. Ihre liegenden Gründe,Synagogen und Begräbnißplätze wurden eingezogen. Was PhilippAugust aus scheinbarem Staatsinteresse, that Ludwig, der kirchlichHeilige, aus Fanatismus. Aber auch damals, wie das erste Mal,war die Vertreibung der Juden weder ausgedehnt, noch von langerDauer. Sie betraf wohl wiederum nur die in des Königs eigenemGebiete Wohnenden, wovon noch diejenigen ausgenommen waren, welchevon ihrer Hände Arbeit lebten. Wenige Jahre später war den Aus-gewiesenen gestattet, wieder zurückzukehren, und ihre Synagogen undBegräbnißplätze wurden ihnen wieder eingeräumt ^).
Eine merkwürdige Erscheinung bleibt es, daß die innere Thätig-keit der französischen Juden, die scharfsinnige tossafistische Erläuterungdes Talmud, durch diese Plackereien keinesweges aufgehört, sondern,als ließe sie sich von nichts anfechten, noch eine Zeitlang fortgedauerthat. Der Talmud wurde verbrannt, die Lehre desselben neuerdingsvon Ludwig verboten, und doch verfaßte gerade in dieser Zeit derfromme Wanderprediger R' Mose aus Couch sein großes Gesetzes-werk (Löser Llirnot 6aäo1^), worin er die talmudischen Elemente inklarer Uebersichtlichkeit mit Anschluß an die biblischen Religionsvor-schriften und mit Zugrundelegung des maimunischen Religionscodexauseinandersetzte. Ein anderer bedeutender Talmudist, Samuel b.Salomo Sir Morel ans Falaise, veranstaltete in dieser Zeit
r) Vergl. Bd. VI. z Note 1. S. 378. Nr. 29.
2 ) äs Daariors, Oräonamess äss rois äs Vranes I. p. 75. Nr. 32;Mansi coaoilis. XLIII. x>. 882. Xr. 23. Auch Jbn-Verga hat in seinemLollsbsd äsllaäa, eine Nachricht, daß die Juden Frankreichs 5014 — 1244(i"' ;rro) eine partielle Verbannung erlitten hätten (Nr. 32).
°) äs Imnriürs a. a. O. p. 85. Das dort mitgetheilte Document solldem Jahre 1257 oder 1258 angehören.
Das Werk, abbrevirt VDo genannt, wurde zwischen 1245 und 1250
verfaßt.