Verfolgung in Frankfurt a. M.
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wobei einige Christen und 180 Juden ums Leben kamen. DieLetzteren hatten an ihre eigenen Häuser Feuer angelegt, wodurch fastdie halbe Stadt ein Raub der Flammen wurde. Die noch übriggebliebenen Juden sahen sich stets vom Tode bedroht; darum gingein Theil von ihnen (vierundzwanzig) zum Christenthum über, daruntersoll auch ein Rabbiner gewesen sein. Ein anderer Theil wandte sichan den deutschen König Conrad, Sohn des Kaisers Friedrich II.,der die Thatsache nicht gleichgültig hinnahm, nicht weil unschuldigBlut vergossen wurde, sondern weil das Reich viele steuerzahlendeKammerknechte eingebüßt hatte. Es wurde ein Proceß eingeleitet, derdamit endete, daß Conrad mehrere Jahre später den FrankfurterBürgern für die dem kaiserlichen Hanse geleisteten Dienste Amnestieertheilte und deren Bestätigung von Seiten des Kaisers verhießt).
Die gewaltsam Getauften nahmen natürlich jede Gelegenheitwahr, zum Jndenthum zurückzukehren. Ein jüdisches Mädchen ausFrankfurt, welches als Braut mit ihrer Schwester getauft wurde,kehrte in den Schooß ihrer Religion zurück. Ihr Bräutigam hattesich aber inzwischen in Würzburg anderweitig verheirathet. Als dieBraut ihr Anrecht geltend machen wollte, brach ein Streit darüberunter den deutschen Rabbiuen aus. Mehrere von ihnen, David b.Schaltiel, Meschullam b. David und Jehuda b. Mose Kohenaus der Rheingegend sprachen sich zu Gunsten der Braut aus, daßsie, als gewaltsam Getaufte, ihre Würdigkeit zu einer jüdisch-gesetzlichenEhe keineswegs eingebüßt habe. Ihr ehemaliger Bräutigam müssesich daher von seiner Frau scheiden und jene ehelichen. Die an-gesehenste rabbinische Autorität jener Zeit, Isaak b. Mose Or-Sarua^)aus Böhmen (ein Jünger des Jehuda Sir Leon von Paris), welcherdie tossafistische Lehrweise nach dem deutschen Osten verpflanzt hat,war entgegengesetzter Ansicht. Er verfocht sie mit rabbinischen Gründen,daß eine Getaufte einer Geschändeten gleich zu achten sei, die zu einerjüdischen Ehe nicht mehr zugelassen werden dürfe ^). — Zwei Jahre
1) Böhmer, Ooäsx Nosno-I'rarilltnrtü I. 76.
2) So genannt von seinem Hauptwerk xim -.m, welches jetzt gedruckt ist;vergl. weiter über ihn.
°) Lssxx. Chajim Elieser Or-Sarua (Sohn des Isaak) sä. Leipzig 1860.Nr. 221. Daraus ergiebt sich das Zeitalter der im Texte genannten Rabbinen,die anderweitig wenig bekannt sind — es sei denn durch die weiter zu erwäh-nende Synode — d. h. zur Zeit der Frankfurter Verfolgung in den vierzigerJahren des dreizehnten Jahrhunderts. David b. Schaltiel kommt noch anzwei anderen Stellen vor (Luzzato 0/s.r Hsslrraaä II. x. 10. Nssxx. ElieserOr-Sarua. Nr. 103). Heber Isaak Or-Larua vergl. Frankel-Graetz, Monats-schrift Jahrg. 1871 S. 219 fg.