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Geschichte der Juden.
jüdischen Gemeinden in Anjou, Poitou, in Bordeaux, Angouleme,Samts und anderen Städten, um sie zur Annahme der Taufe zuzwingen. Da aber die Juden in ihrem Glauben standhaft blieben,so verfuhren die Kreuzzügler mit unerhörter Grausamkeit gegen sie,zertraten viele von ihnen unter Rosses Hufen, schonten weder Kindernoch Schwangere, ließen ihre Leichen unbegraben zum Fraß für wildeThiere uud Vögel liegen, zerstörten heilige Schriften, verbrannten dieHäuser der Juden und bemächtigten sich deren Habe. Mehr als dreiTausend kamen bei dieser Gelegenheit um (Sommer 1236), mehr alsfünf Hundert gingen indeß zum Christeuthum über. Wiederum be-klagten sich die übriggebliebenen Juden über die erlittene Grausam-keit beim Papste. Dieser sah sich veranlaßt, ein Sendschreiben an dieKirchenfürsten von Bordeaux, Angouleme uud anderen Bisthümernund auch au den König Ludwig IX. von Frankreich darüber zu er-lassen (Sept. 1236), die Vorfälle zu beklagen und ihnen zu bedeuten,daß die Kirche weder die Vertilgung der Juden, noch ihre gewaltsameTaufe wünsche i). Was vermochten aber solche gelegentliche Ermahnungs-schreiben gegen den von der Kirche gehegten Abscheu wider die Juden!Der sonst edle und gutmüthige König Ludwig IX. war von diesemAbscheu so sehr beherrscht, daß er keinen Juden ansehen mochte. Erbegünstigte die Bekehrung der Juden auf jede Weise uud ließ dieKinder der bekehrten Väter dem Herzen der dem Judenthume treugebliebenen Mütter entreißen Die Juden hatten nur ein einzigesMittel, um die gegen sie aufgestachelte Wuth zu beschwichtigen — dasGeld. Damit gewannen die von England den König Heinrich III.,in seinen Ländern durch Herolde bekannt machen zu lassen, daß Nie-mand den Juden etwas zu Leid thun sollte. Aber dieses Mittel warein zweischneidiges Schwert, das sich gegen diejenigen kehrte, denenes zu Gute kommen sollte. Um viele Gelder zn erschwingen, warendie Juden genöthigt, übermäßigen Zins zu nehmen, auch Wohl zuÜbervortheilen. Dadurch zogen sie sich aber den Haß der Bevölkerungzu und setzten sich wiederum Mißhandlungen aus. Die öfteren Klagenüber ihren Wucher veranlaßten Ludwig IX, diesen zu beschränken undöfter einen Theil der Schulden zu kassiren. Als aber derselbe KönigErnst machte, dem Wucher zu steuern, behaupteten die zur Berathuugberufeuenen Barone, daß die Bauern und Kaufleute das Anleihenvon Juden nicht entbehren könnten, und es sei besser, jüdische Wucherer
') Vergl. Bd. VI.^ S. 377.
2) Schmidt Geschichte von Frankreich I. S. 504.