Kaiser Friedrich II. und die Juden. 91
erschlagen worden, während die Eltern in der Stadt waren DerVerdacht fiel auf zwei Juden, und der unglückselige Argwohn fügtegleich hinzu, sie hätten den Kindern das Blut abgezapft und es ingewichsten Säcken gesammelt, um cs für das Passahfest aufzubewahren.Man weiß nicht, ob man mehr die Wahnbethörteu oder die Schlacht-opfer bedauern soll. Durch diesen Verdacht augetrieben, überfielendie angesammelten Kreuzzügler und Bürger die Gemeinde von Fulda(28. December^), tödteten vieruuddreißig Männer und Frauen unddarunter auch mehrere, welche aus Frankreich zur Zeit der Vertrei-bung unter Philipp August eingewandert waren. Hätten sich nicht
einige menschlich gesinnte Bürger und der Magistrat ihrer
angenommen, so wären noch mehrere Märtyrer gefallen. Die Indenbeklagten sich darüber beim Kaiser, und dieser, welcher sich seinerKammerknechte, die ihm Geld einbrachten, annehmeu mußte, machteden Abt Conrad de Mulcoz dafür verantwortlich. Der Abtwollte die Mörder entschuldigen und ließ die Leichname der Knabenvor das Angesicht des Kaisers nach Hagenau bringen. Da nun dieJuden über Gewaltthätigkeit der Christen und die Christen von Fuldaüber Meuchelmord der Juden klagten, so sah sich der Kaiser veran-laßt, eine Untersuchungskommission von gelehrten Männern zusammen-treten zu lassen, welche die Frage beantworten sollten: ob die Judenwirklich, wie das Gerücht verlautet, Christenblut zu ihrem Passahmahlegebrauchten. In diesem Falle wollte er sämmtliche Juden seinesReiches vertilgen. Das Schicksal der deutschen und italienischen Ge-meinden hing also von der Unparteilichkeit der Richter ab. Und sieentschieden unparteiisch. Der Spruch lautete: sie könnten nichtsGewisses darüber entscheiden, ob die Juden wirklich Christenbluttränken. So beruhigte sich der Zorn des Kaisers. Dennoch zog ervon den Juden bedeutende Summen ein als Strafgelder dafür, daßdas unschuldige Blut ihrer Brüder vergossen worden war. DieTodtenfeier der deutschen Gemeinden hatte neue Märtyrer, die vonFulda, zu den alten nachzutragen. Lasset nur viel Raum in eurenMemor-Pergamenten, denn ihr werdet noch viele, viele darin einzu-zeichnen haben! Die blutigsten Jahrhunderte für das arme HausJakob sind erst im Anzuge. Die drei Mächte der Christenheit, dieFürsten, die Kirche und das Volk vereinigten sich fortan, das schwächsteder Völker zu verderben.
Als der Papst Gregor IX. wiederum einen Kreuzzug predigenließ, überfielen die in Aquitanien angesammelten heiligen Krieger die
Note 4. 2 ) Agjtz z.