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Geschichte der Juden.
Man sollte nun erwarten, daß der Kaiser Friedrich eine günstigeStimmung für die Juden hätte hegen sollen. War er doch nicht allzugläubig gegen die Glaubenslehren des Christenthums. Wenn auchnur ein Theil von den Anklagen begründet war, welche die Zeit-genossen gegen seine Rechtgläubigkeit erhoben, so war er von derWahrheit des Christenthums keineswegs überzeugt. Der PapstGregor IX., allerdings sein Todfeind, warf ihm geradezu vor: derKaiser habe geäußert, die Welt sei von drei großen Betrügern, Mose,Jesus und Mohammed, getäuscht worden, von denen zwei rühmlichgestorben, der Dritte aber am Kreuze geendet habe. Der Kaiser habeferner gesagt: nur Dummköpfe könnten glauben, der Geist des Himmelsund der Erde sei durch den Leib einer Jungfrau zur Welt gekommen*).An dem Unglauben der Juden konnte er also nicht allzusehr Anstoßgenommen haben. Und dennoch war der Kaiser Friedrich fast nichtminder jndenfeindlich als sein Gegenfüßler, der bigotte Ludwig derHeilige von Frankreich. Ein Todfeind des Papstthums, der seinen
Unternehmungen auf allen Wegen hinderlich war, führte er dochin seinen Staaten den kanonischen Beschluß durch, die Juden vonöffentlichen Aemtern anszuschließen^, mit Ausnahme eines jüdischenMünzschreibers in Messina. In seiner Hauptstadt Palermo wies erdie Juden in ein Ghetto ^), eine Unduldsamkeit, welche sogar die derPäpste damaliger Zeit übertraf. In Oesterreich wurden die Judendamals unter den Babenbergischen Landesfürsten zu Aemtern zuge-lassen. Der Erzherzog Friedrich I., der Streitbare, welcher den Welt-handel zwischen dem Morgenlande, Venedig und Europa überhauptdurch sein Land zu leiten bestrebt war, erkannte den Werth der Judenals Förderer des Reichthums, ließ seine Finanzen von jüdischen Be-amten verwalten*) und ertheilte ihnen Ehrentitel. Zwei Brüder Lublinund Nekelo nannten sich officiell Kammergrafen des Herzogs vonOesterreich ^). Der Kaiser Friedrich U. ertheilte freilich der Gemeindevon Wien eine Art Schutzprivileginm (1238). Was enthielt diesesPrivilegium, welches aussagt, daß der Kaiser die Juden in seine
U Orsgorü IX. sxistolas aä orunss prinoipss bei Mausi OonoiliaT. XXIII. p. 786 und Raumer Geschichte der Hohenstaufen IV..S, 36. Vgl.dagegen Reuter, Geschichte der religiösen Aufklärung im Mittelalter Bd. II.S. 275 ff.
") Raumer a. a. O. S. 450.
0) llovs-uni l'sbiaisrno in Lioilis, p. 310.
4) Gemeiner Regensburgische Chronik l. S. 336.
b) LZoDublinus st krabsr rusus Xslrslo, lluäasi, aoruibss Oainsrasillusbris äuois ^.ustrias. Quelle bei C. A. Menzel Geschichte der Deutschen III.S. 302.