Jakob Anatoli.
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deutete er die heilige Schrift in maimunischem Geiste, suchte dieWunder so viel wie möglich auf natürliche Vorgänge zurückzuführeu,war mit einem Worte einer von denen, welche das Jndenthum ver-flachten. In diesem Sinne hielt er öffentliche Vorträge an Sabbatenund Festtagen und sammelte sie zu einem Werke (LIsImsä *), das trotzseiner Mittelmäßigkeit ein Lieblingsbuch der Denkgläubigen der pro-venzalischen Gemeinden wurde.
Während des lebhaften Streites in der Provence um Maimuniwar Anatoli indeß vom Schauplatz entfernt und weilte in Neapel,wohin ihn der Kaiser Friedrich ans Marseille berufen hatte. Fried-rich II. verwendete ihn, die aristotelischen Schriften mit den bis dahinin der Christenheit noch unbekannten Commentarien des arabischenPhilosophen Averroes (Jbn-Roschd) zu übertragen. Ein christlicherGelehrter, wahrscheinlich des Kaisers Hofastrolog Michael Scotus,übersetzte diese Schriften, wahrscheinlich unter Anatoli's Anleitung,in's Lateinische ^).
*) Die Schrift Älslmsä (gedruckt Lyck 1866) wurde später Veranlassungzu einem heftigen Streit: Lüuoltst Xsirsot dto. 3g und 68.
-) Nicht nur Roger Bacon, sondern auch der Zeitgenosse Albertus Magnusbehaupten, Michael Scotus habe weder von der Sprache (arabisch) noch von Philo-sophie viel verstanden Der erste sagt geradezu, er habe sich von einem Judenhelfen lassen: Lliebssl 8ootus iMarus guiäsra st vsrborum st rsruraIsrs orauis guss sub noraiirs sg'us pioclisinnt, ab ^.närss lluäsomutustus sst (llsbbi prsststio sä opms magus). Der Letztere: Ooosrrsviäissrs, gunä Xisolsus r>oir tsoit libruru illuva (guasstionss Xisolsixsrixststioi), ssä Llisbssl 8ootus gui irr ist vsritsts irsseivit Nsuros,ns« bsus intsilsxit libros ^Lristotslis (opsrs 1. II. p>. 140). Liegt es nichtauf der Hand, daß die unter Scotus' Namen cursirenden lateinischen lleber-setzungen von dem mit ihm an demselben Hofe weilenden Anatoli aus demArabischen übersetzt wurden, und daß 7l.rrärsss lluässus nur eine Verstüm-melung des Namens Anatoli sei? Dazu kommt noch, daß Roger Bacon denAnfang von Michaels Thätigkeit in's Jahr 1230 setzt: Dsruxors Llielrsslis8ooti gui simis 1230 trs.nss.otis sxpsrrät, rstsrsns librornrn ^.ristotslispsrtss sliguss sto. (I. o. x. 36). lind gerade in derselben Zeit war Anatoliin Neapel mit liebersetzen beschäftigt. Man wußte sonst nicht, welchen DienstAnatoli dem Kaiser hätte leisten sollen, wenn seine hebräischen llebersctzungennicht sofort ins Lateinische interpretirt worden wären. Renan's Behauptung,daß Michael Scotus zwischen 1217 und 1230' seine llebersetzungen angefertigtund daß sie erst im letzten Jahre Einfluß geübt, ist gegen den Wortsinn desReferats von Roger Bacon. Daß Andreas ein getaufter Jude gewesensei, denM.S.in Toledo kennen gelernt habe, ist ebenfalls gegen den Wortsinn, da Bacondoch sagt: fast Alles, was Scotus geschrieben, sei dem Juden entlehnt(Rsusu ^.vsrross st 1'^.vörroisms x. 163 ff). Es scheint, daß AnatoliMaimuni's Mors Nebuchim mit Hilfe seines christlichen Mitarbeiters in's.Lateinische, übertragen hat. Vgl. Perles Monatsschrift XXIV. S. 80. ff.