ehrung sammelten. Jbn-Sahal sang meistens Liebeslieder. Als einmohammedanischer Kunstkenner einst gefragt wurde, woher es dennkäme, daß Jbn-Sahal in so schmelzender, rührender Weise zu singenverstände, erwiderte er- er vereinigt zwei Arten von Demuth inseinem Herzen, die Demuth eines Liebenden und die Demuth einesJuden. Seine Lieder waren so sehr geschätzt, daß Araber für einExemplar derselben zehn Goldstücke zahlten, während eine Koranrolleum den zehnten Theil feil war. Dazu soll der Philosoph Averroes(oder einer seiner Jünger) die Bemerkung gemacht haben: ein Staatmüsse untergehen, in dem das heilige Buch um so wohlfeilen Preis,leichtsinnige Lieder dagegen so theuer verkauft werden.
Die späteren Araber stritten hin und her, ob Jbn-Sahal bis ansein Lebensende Jude geblieben oder zum Islam übergetreten sei.Indessen ist Beides richtig. Denn in Sevilla herrschten damals nochdie Almohaden, welche keinen Juden (und auch keinen Christen) duldeten.Diejenigen, welche nicht den Wauderstab ergreifen wollten, nahmenzum Schein den Islam an, leierten dessen Bekenntniß ab, besuchtendie Moscheen, blieben aber nichts desto weniger in ihrem Herzen demJudenthume treu, beobachteten in unbewachten Lagen dessen Religions-vorschriften und verkehrten mit ihren Stammesgenossen. Jbn-Sahalwar also höchst wahrscheinlich ein Mohammedaner unter Mohamme-danern, aber im jüdischen Kreise ein Jude. Dabei war er, wie aus-drücklich bezeugt wird, Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Sevilla.Einige fromme Glaubensgenossen sollen ihm harte Vorwürfe gemachthaben, daß er sich so weit vergäße, Liebeslieder zu dichten. Daraufsoll er in schönen Versen den Tadel zurückgewiesen haben. Ueberseinen Tod herrschen widersprechende Nachrichten. Einige erzählen, ersei von seinen Glaubensgenossen wegen seiner leichtsinnigen Dichtungvergiftet worden; Andere dagegen, er sei auf einer Seereise beimSchiffbruch umgekommen, und als die Nachricht von seinem Todein den Fluthen eingelaufen sei, habe ein anderer jüdischer Dichterdabei die Bemerkung gemacht: „die Perle ist zu ihrer Muschel
zurückgekehrt" *).
*) Dis Nachricht über Jbn-Sahal giebt Almakkari aus älteren Quellenin Oa^ouß'os' bisborz- ol tlls Nalrorusts-ir ä^oasbiss in Lpaiir. I. x. 158 ff.und Leo Afrikanus aus arabischen Quellen in clsscrixtio ^.trieas, auch inIHbrivius bibliotlrsoa ill. XIII. Vergl. darüber Lebrecht im Magazin fürLiteratur des Auslandes. Jahrg. 1841. Nr. 36, auch Literatur-Bl. des Orient.Jahrg. 1841. col. 246 f. Die Nachricht, daß Jbn-Sahal Moslem gewordensei, findet Lebrecht unwahrscheinlich, sie ist aber glaubwürdig, wenn sie dahinbeschränkt wird, daß er unter der Intoleranz der Almohaden Schein-Mohammedaner war.
Graetz, Geschichte der Juden. VII.
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