82
Geschichte der Juden.
Mehr noch als die Dichtkunst sanken die übrigen Wissensfächerin der nachmaimunischen Zeit. Wie konnte eine gesunde Exegeseblühen, wo Philosophen und Kabbalisten um die Wette es daraufanlegten, den Sinn der heiligen Schriften zu deuteln, oder geradezuzu verdrehen, um ihrer Theorie eine scheinbare biblische Stütze zugeben? Mit ihr verkümmerte auch die hebräische Grammatik. Siefloh vor der philosophischen uud kabbalistischen Künstelei. Die glän-zenden Leistungen der Vorzeit geriethen in Vergessenheit. DavidKimchi war der letzte Exeget und Grammatiker für eine geraumeZeit. Nachmani beschäftigte sich wohl mit der Schrifterklärung, zogauch öfter die Grammatik zu Rathe und zeigte richtiges Sprach-gefühl, allein beides nicht als Selbstzweck, sondern im Dienste einervorgefaßten Meinung, namentlich um gegnerische Ansichten zu wider-legen. So entblätterte sich nach und nach der schöne Kranz vonjüdischen Wissenschaften, den die jüdisch-spanischen Denker und Forschergewunden hatten.