glückliche Nachahmung des biblischen Geschichtsstyls. — Soll man auchJoseph Ezobi unter die Dichter dieser Zeit aufnehmen? Manerweist seinen Versen schon zu viel Ehre, wenn mau sie auch nurein Gedicht nennt, und man müßte sie mit Stillschweigen übergehen,wo von neuhebräischer Poesie die Rede ist, wenn sie nicht inFolge zahlreicher Abschriften, Vervielfältigung durch den Druck undlateinischer und französischer Uebersetzung die Aufmerksamkeit derLiterar-Historiker auf sich gezogen und eine Art Berühmtheiterlangt hätten. Joseph Ezobi (oder Esobi) b. Chanan aus Orangeoder Vaison (bei Avignon, blühte um 1230—1250*), der vonseiner Heimath nach Perpignan ausgewandert war, richtete anseinen Sohn Samuel ein Hochzeitsgedicht, „die silberne Schaale"(Laarat Loseb), als Angebinde, worin er ihm Ermahnungen undLebensregeln einschärfte. Unter anderem empfahl er ihm „sich von dergriechischen Weisheit fern zu halten, die dem Weinstock Sodoms gleicheund nur Unheil in den Gemüthern stifte". Er möge sich allenfallsmit hebräischer Grammatik und Bibelkunde befassen, aber seine Haupt-beschäftigung sei der Talmud. Dieses allein charakterisirt den Mannund seine Geistesrichtung. Joseph Ezobi's Verse bekunden zwarSprachgewandtheit, aber keineswegs Gewähltheit im Ausdrucke undnoch weniger Anmuth. Er gehört zu den gewandten Reimern, welcheseit dieser Zeit namentlich in der Provence zu Dutzenden auftauchen.
Nur noch ein einziger wahrhafter Dichter trat in dieser Zeitauf, aber seine Lieder galten nicht dem Judenthum und ertönten auchnicht in der Nationalsprache. Abu-Jschak Ibrahim Jbn-Sahal,der Jsraelite (al-Jsraeli), in Sevilla (geb. um 1211, st. um 1250),wird von mohammedanischen Literaturhistorikern als einer der lieb-lichsten Sänger in ihrer Zunge gepriesen, dessen Gedichte sie mit Ver-
Spanien. Eine kritische Untersuchung über die darin benutzten Quellen wärewünschenswerth/ Es scheint, daß er den Pentateuch-Commentar des Samuel b.Me'ir (Lusollbairr) vor sich gehabt und vielfach für seinen Zweck benutzt hat.
*) Sein Zeitalter läßt sich nur annähernd bestimmen. Er war nämlichLehrer des Dichters Abraham Bedaresi (Zunz zur Geschichte S. 465), undda dieser eine Elegie auf die Verbrennung des Talmud 1241—1244 gedichtethat (derselbe), so ist die Zeit seines Meisters in der ersten Hälfte des drei-zehnten Jahrhunderts bestimmt. Vergl. über ihn noch Oarmol^, Is, GrauesIsraslitö x. 79 fg. Die Stadt nun, nach der er benannt ist, wird vonCarmoly für Vaison, von Andern für Orange gehalten. Die ersteEdition des qor rnpp Constantinopel 1523. Die Handschriften enthaltennoch einige Gedichte des Verfassers, dis sämmtlich auf das Hauptlied Bezughaben. Lateinische Uebersctzungen davon sind von dem Humanisten Reuchlin,dem ersten hebräischen Grammatiker für Christen, und von dem fraikzösischenHebraisten Jean Mercier und eine französische von Carmoly angefertigt worden.