Beginn des Rückganges.
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So entstanden in kaum vier Jahrzehnten nach Maimuni's Toddrei Parteien, und das war der Anfang der rückläufigen zur Ver-kümmerung führenden Bewegung.
Es trat eine Sonderung ein zwischen den philosophisch Ge-bildeten^), den Stocktalmudisten2) und den Kabbalisten^). DieErstcren, welche Maimuni zu ihrem Führer nahmen, legten sich dasJudenthum rationalistisch zurecht, blieben entweder bei seinen Annahmenstehen oder zogen kühne Folgerungen aus seinen Vordersätzen, die ihmentgangen waren, oder die er unberührt lassen wollte, und brachenhalb und halb mit dem Talmud. Die strengen Talmudisten befaßtensich ausschließlich mit halachischen Controversen und wollten vonphilosophischen Erörterungen gar nichts wissen; sie waren jeder Wissen-schaft und allem Forschen auf religiösem Boden abhold und legtensich die. Agadas in nackter Buchstäblichkeit zurecht; auch der Kabbalagingen sie aus dem Wege. Endlich waren die Kabbalisten eben sosehr gegen die talmudistischen Buchstäbler wie gegen die maimunistischenRationalisten eingenommen. Doch verhielten sie sich, weil ihre Zahlanfangs klein war und ihnen die dem Judenthum widerstreitendenFolgerungen aus ihrem System noch nicht zum Bewußtsein gekommenwaren, freundlich zu den Stocktalmudisteu. Hatten doch beide gemeinsameFeinde zu bekämpfen. Die Kabbalisten richteten daher Anfangs ihreSpitzen lediglich gegen die Maimunisten. Ehe aber das Jahrhundertabgelaufen war, waren auch die Kabbalisten und die Stockfrommenmit einander entzweit, und beide Parteien begannen einander so heftiganzufeiuden, wie ihre gemeinsamen Gegner, die Philosophen.
Die Folgen, welche einerseits aus der vom Papstthum aus-gegaugeueu Entehrung der Juden und andererseits aus der Spaltungim Innern entsprangen, machten sich bald fühlbar und brachtenunerfreuliche Erscheinungen zu Tage. Die Harmlosigkeit, der froheSinn, die Freudigkeit des Schaffens, welche, verbunden mit geistigerRührigkeit, so schöne Blüthen getrieben hatten, waren auf lange,lauge Zeit dahin. Ein trüber Ernst stellte sich dafür auch bei denspanischen und provencalischen Juden ein und hielt jeden Aufschwungder Seele wie mit Bleigewichten nieder. Die lustigen Sänger ver-schwanden mit einem Male, als wenn der eisige Hauch der trübenGegenwart ihr warmes Blut plötzlich zum Gefrieren gebracht hätte.Wie sollte der Jude mit dem Schandlappen auf der Brust fröhlicheWeisen singen! Die ueuhebräische Poesie, welche seit drei Jahrhun-derten so holde Dichtungen zu Tage gefördert hatte, starb ab, oder
i) genannt. -) ch 2'^pv.