Nachmani als Kabbalist.
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Midrasch des Nechunja b. Hakana). Wer der Verfasser derselben war,läßt sich nicht bestimmt ermitteln. Vielleicht das kabbalistische Brüder-paar Asriel und Esra. So schlau ist dieser Wechselbalg eingeschmuggeltworden, daß selbst besonnene Rabbiner ihn als einen echten, uraltenSproß des Jndenthums verehrten und seinen Lügenworten Glaubenschenkten. Vergebens hat ein hochgeachteter Mann, Meär ben Simon ausNarbonne, diese Fälschung entlarvt Z, vergebens mit Zustimmung desdurch Frömmigkeit und talmudisches Wissen ausgezeichneten RabbinersMeschullam ben Mose aus Beziers die Gemeinden gewarnt, sichnicht von diesem Lügenwerke, wie von der Schriftenfluth des gerun-densischen Brüderpaares täuschen zu lassen, sie vielmehr, da sieKetzerei enthielten, zu vernichten. Die kabbalistische Lügenschrifthat sich behauptet und hat späteren kabbalistischen Taschenspielernals Zeugniß für ihre Lehren gedient. Die Mystik konnte sich nur durchUntergeschobenes sapokryphisches Schriftthum) behaupten. Denn dane ihren Lehrinhalt nicht durch einleuchtende Gründe beweisen kann,so muß sie sich auf Autoritäten berufen, und wenn sie solche nichtvorfindet, so erfindet sie sie. Die Propaganda, welche Asriel und wohlauch Esra für die Kabbala auf ihren Wanderungen machten, wurdedurch die Einschmuggelung der mystischen Schrift Bahir bedeutendunterstützt. Die Kabbalisten gaben an, die Heimath dieses erstenkabbalistisch-apokryphischen Buches sei Palästina gewesen; von da seics vor alter Zeit den Frommen Deutschlands zu Händen gekommen,und von ihnen sei es zu den rabbinischen Autoritäten der Provencegelangt 3). Sein Lehrinhalt sei in einer langen Kette von Gaon zuGaon überliefert worden; und diese Fabel fand Glauben. Obwohlkein einziger gaonäischer oder rabbinischer Schriftsteller vor dem drei-zehnten Jahrhundert das Dasein dieser mystischen Schrift auch nurandeutet, so erkannte sie doch selbst Nachmani als eine uralte, durchtalmudische Autoritäten gewährleistete Grundschrift der Geheimlehrean. Auf Grund derselben vertiefte auch er sich in die Kabbala.
Die Bemühungen Asriel's und Esra's für die Geheimlehre hättenvielleicht geringen Erfolg gehabt, wenn sich nicht Nachmani unter ihreFahne gestellt bätte. Auf den ersten Blick ist es zwar schwer zu be-greifen, wie dieser klare, haarscharfe Denker, welcher auf dem tal-mudischen Gebiete über jede Dunkelheit Licht zu verbreiten vermochte,der in Jbn-Esra's und Maimuni's religionsphilosophischen Gedanken
*) Vgl. Rsnan (Neubauer) Dss Naddins trun^säs x. 561.
°) Das. x. 515, 733.
3) Isaak Kohen aus Segovia (Ende des 13. Säculum) in Schem-TobDrannob x. 94 s,. unten, 19 d.