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7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
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62 Geschichte der Juden.

der gedankenlosen Menge verborgen, dem Denker aber erkennbar sei.So viel hatten selbst die Gegen-Maimnnisten von Maimuni an-genommen, daß die Vorschriften des Judenthnms kcinesweges will-kürliche Dekrete eines Despoten sein könnten, sondern, als göttlicheAnordnungen, auch einen gedanklichen Hintergrund haben müßten.Und wie die scheinbar bedeutungslosen biblischen Bestimmungen unddie dunkeln Schriftverse, ebenso müßten die agadischen Sentenzen desTalmud einen höhern Sinn enthalten; sonst erschienen sie sinnlos.Die Frommen hatten aber noch viel mehr als die Agada zu vertretenund zu rechtfertigen. Das ältere mystische Schriftthum, die Offen-barungen des engelgewordenen Henoch-Metatoron (Bd. V.y S- 206),früher nur Einzelnen zugänglich, hatten in dieser Zeit einen großenLeserkreis gefunden. Nicht blos dasBuch der Schöpfung", sondernauch jene Ausgeburt einer wüsten Phantasie, welche den Gott Jsrael'swie einen Fetisch mit Kopf, Händen und Beinen von riesiger Aus-dehnung darstellte (Lvllinr Xowa), galten in diesem Kreise schon alsheilige Schriften. Maimuni hatte zwar in seiner geläuterten Religiositätmit Entrüstung jede Verantwortlichkeit des Judenthums für dieseBastard-Literatur zurückgewiesen, sie als Ausfluß einer groben Un-wissenheit in religiösen Dingen und einer heidnischen Anschauungs-weise gebrandmarkt und dazu bemerkt: sie verdiente verbrannt zuwerden i). Allein das war für die Schule Jsaak's des Blindenkein Grund, die Schilderung der riesigen Organe Gottes ohneweiteres zu verwerfen. Trägt die Quelle doch den Namen desR'Jsmael an der Spitze, und der gefeierte RÄkiba hat sich dafürverbürgt (so ist es dargestellt). Sie galt dieser Schule vielmehr alsBestandtheil der Agada, als uralte Offenbarung, als ein wesentlichesGlied des Judenthums. Was sollte sie aber mit der Maaßengrößeanfangen? Ihr religiöser Sinn war denn doch zu geläutert, als daßsie den lächerlichen Gedanken annehmen konnte, Gottes Bart z. B.habe eine Länge von 10,500 Parasangen (?arsa°)! Andererseitskonnten sich die proveucalischen und spanischen Frommen vom SchlageJsaak's, Asriels und Esra's nicht mit dem Gedanken befreimden, daßalle diese anstößigen Partien des Judenthums rationalistisch gedeutetoder vielmehr gedeutelt werden sollten, wie es die Maimunisten thaten.Die Agada und das altmystische Schriftthum, wie überhaupt sämmtlicheRitualien des Judenthums mußten daher nach ihrer Ucberzeugungeinen sehr tiefen, bedeutungsvollen, geheimen Sinn haben, sie mußten

*) Maimuni's Lssxousurn in dllts Xas-rnaiiioa x. 17.; vergl. Frankel,Monatsschrift Jahrgang 1856. S. 67 ff.

2) Lobiar-Xoraa, im Buch Xasisl. Amsterv. 1761 p. 37 1>.