Entstehung der Kabbala.
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sei (1238). Ehrlich waren beide nicht; denn sie haben ein oder mehrerevon ihnen verfaßte Machwerke älteren Autoritäten untergeschoben, umihrer Afterlehre den Stempel des Alterthums aufzudrücken. Asrielhat etwas mehr von sich verlauten lassen. Von seiner Jugend an,erzählt er selbst, sei er von Ort zu Ort gewandert, um nach einergeheimen Weisheit zu forschen, welche über Gott und Schöpfungbefriedigende Aufschlüsse gebe. Männer, welche im Besitze derselbendurch Ueberlieferung waren, hätten sie ihn gelehrt, und er sei festdavon überzeugt worden. Darauf habe er selbst in den Gemeinden,die er auf seiner Wanderung berührte, die kabbalistische Lehreentwickelt, sei aber in Spanien (Sevilla?) von den philosophisch Ge-bildeten ausgelacht worden, weil diese nur das für wahr hielten,was durch strenge logische Beweisführung als unumstößlich festgestelltsei, dagegen auf eine überlieferte Geheimlehre, deren Gedanken ihnenganz neu erschienen, nichts geben mochten. Einer der ersten Mystikergestand also ein, daß die Kabbala bei ihrem ersten Ausfluge auf Wider-stand gestoßen, und daß ihr Lehrinhalt durchaus nicht als alt anerkanntworden sei. Asriel und Esra ließen sich aber von diesem Widerspruchnicht stören, sondern bemühten sich, ihre Lehre zu behaupten und zuverbreiten. In Erklärungen zu Agadastellen, zu den Gebeten und zudem Hohenliede, das eine Fundgrube für jede Art Mystik bildet, ent-wickelten sie ihre eigcnthümliche Theorie. Asriel versuchte cs, auchden philosophisch Gebildeten die Ueberzeugung von der Wahrheit derKabbala beizubringen und ließ sie die Sprache der Logik reden. Alleinwie die Geheimlehre ans ihrem Dunkel in die Sonnenhelle tritt, zeigtsie ihre Nacktheit und Häßlichkeit.
So viel ist gewiß, die Kabbala wollte in ihrem Ursprünge einenGegensatz zu der verflachenden Philosophie der Maimnnisten bilden.Daß das Judenthum weiter nichts als die aristotelische Philosophielehren sollte, war denen ein Gräuel, welche in tiefer Frömmigkeitjedes Wort der Bibel und des Talmud als eine göttliche Wahrheitansahen. Nun giebt es einen Weg, sich des philosophischen Nachdenkensüber Gott und das Jndenthum ganz zu entschlagen und Alles innaiver Gläubigkeit hinzunehmen. Diesen Weg schlugen die deutschenund nordfranzösischen Rabbinen ein; es war die streng tossafistischeRichtung. Aber die südfranzösischen und spanischen Frommen, welchegewissermaßen überall philosophische Luft einathmeten, konnten sich beidieser Buchstäblichkeit nicht beruhigen. Das Jndenthum schien ihnen,wenn es nicht von tiefen Gedanken durchweht sein sollte, bedeutungs-los. Die religiösen Gesetzesbestimmungen, die Ritualien, müßtendurchaus einen höheren idealen Sinn haben, welcher nur dem Auge