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Geschichte der Juden.
enthält neben Unhaltbarem manches Wahre und Beherzigenswerthe.Vor dem Sündcnfalle habe das erste Menschenpaar nicht einmal dasSchamgefühl gekannt und habe sich der von der prüden Philosophieso verwerflich behandelten Organe ebenso harmlos bedient wie der Augen,Hände und Füße. Nur in Folge der Sünde habe der Mensch durchden unreinen Sinn, den er sich angeeignet, diese Organe zu etwasHäßlichen, gestempelt. Werden sie aber auf die rechte Weise an-gewendet, so können sie sogar eine höhere Weihe erhalten. Da nunder Beruf der Israeliten der sei, ihrem Gotte in allen seinen Voll-kommenheiten nachzustreben — wozu sie eben durch seine Gnade aus-erwählt wurden — so haben sie auch die Verpflichtung, heilig zuwerden, und diese Heiligkeit können sie besonders in der Ehe bei derKindererzeugung bethätigen. Bei keiner Thätigkeit des Menschen zeigtsich nämlich die Einwirkung der Phantasie in so hohem Grade, wieeben bei diesem scheinbar thierischeu Acte. Wird dieses zugegeben, sofolgt unmittelbar daraus, daß, wenn die Phantasie geläutert ist, wennsie sich mit erhabenen Ideen, mit der Hoheit Gottes und mit demsittlich heiligen Weltzweck erfüllt hat, sie dem Keime, woraus sichder Mensch entwickelt, eine Richtung nach dem Guten und Heiligeneinzuprägen und dem Kinde von seinem Urbeginn an den Charakteraufzudrücken vermöge, der heilige Männer zur Welt bringt. Darumschärfen die talmudischen Weisen die Vorschrift so eindringlich ein,daß sich das Ehepaar gerade bei dieser Gelegenheit weihen, d. h. dieGedanken und Phantasie mit reinen Anschauungen erfüllen und sievon niedrigen thierischen Vorstellungen fern halten solle. Nimmt mannoch dazu die überlieferte (kabbalistische) Theorie, daß die Menschen-seele ein Theil des Urgeistes sei, und daß cs dem Menschen möglich sei,durch Concentriruug seiner Seelenkräfte sich mit diesem Geiste zuvereinigen, so ergebe sich daraus, wie wirksam die Heiligung derPhantasie bei der Kindererzeugung werden könne. Es sei nämlichdann möglich, einen Theil des Urgeistes, d. h. eine ungetrübte, un-befleckte Seele, gewissermaßen herabzuziehen und mit dem materiellenKörperkeime zu verbinden, d. h. einen vollkommenen Menschen zu erzeugen.Und ebenso sei es einleuchtend, daß sündhafte, in's Thierische versunkeneEltern lasterhafte Kinder erzeugen müssen, d. h. unreine Seelengewissermaßen zur Belebung des Keimes heranlocken.
Nachmani, der solchergestalt von ganz andern Gesichtspunktenausgiug, hatte daher nur sehr wenig Berührungspunkte mit Maimuni.Wären sie Zeitgenossen gewesen, so hätten sie vielleicht eben wegendieser Verschiedenheit einander angezogen. War für Maimuni dasJudenthum ein Cultus des Gedankens, so war es für Nachmani