Nachmani.
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Philosophie der Prüfstein der Wahrheit, für Nachmani waren Bibelund Talmud zu selbstgewiß, als daß sie sich vor dem Richterstuhleder Vernunft zu rechtfertigen brauchten. Indessen obwohl sich Nach-mani von der Zeitphilosophie fern hielt, so stellte er doch neue Ideenauf, die, wenn auch nicht mit logischen Formeln bewiesen, darum nichtminder Berechtigung beanspruchen. Die ethische Philosophie, derMaimuni huldigte, wollte den Menschen im Hinweis auf seinenhöhern Ursprung und seine einstige Glückseligkeit über die Zufälle desLebens erheben und ihn mit Gleichmnth waffnen, ihn ebenso gegenFreude, wie gegen Schmerz abstumpsen. Nachmani konnte, vomtalmudischen Standpunkte aus, nicht genug gegen diese philosophischeoder stoische Gleichgültigkeit und Unempfindlichkeit ankämpfen undsetzt dem die Lehre des Jndenthüms entgegen, daß der Mensch sich„am Tage des Glückes freuen und am Tage des Unglücks weinensoll" i). Maimuni nahm mit den Philosophen an, daß der sinnlicheTrieb eine Schande für den Menschen sei, der zur Geistigkeit berufenist. Nachmani war ein entschiedener Gegner dieser Ansicht. Da Gott,der Vollkommene, diese irdische Welt geschaffen hat, so sei sie, wie sieist, gut, und nichts in ihr dürfe als entschieden verwerflich und häßlichangesehen werden. Darum sei selbst der Fortpflanzungstrieb, trotzdes ihm anhaftenden Thierischen, keine Schande, sondern eine weiseVorkehrung der vorsorglichen Gottheit. Nur die Philosophen, meinteer, konnten auf den Gedanken kommen, daß es an dem menschlichenOrganismus etwas durchaus Schandbares und Unsittliches gebe, weilsie die Schöpfung der Welt durch die Gottheit leugnen und derenEwigkeit von Urbeginn an behaupten. Das Judeuthum dagegenwelches Gott als den Schöpfer und Herrn der Welt anerkennt undverkündet, müsse eine solche Meinung verwerfen; denn Alles, wasaus Gottes Hand hervorgcgangen und gebildet ist, sei darum auchgut, auch die Zeugungsorgane und der Geschlechtstrieb. Gott könnenichts absolut Mangelhaftes und Verwerfliches geschaffen haben. Nurje nach dem Gebrauche erweisen sich diese als sittlich oder unsittlich,als menschenwürdig oder thierisch.
Nachmani hat ans dieser Voraussetzung eine eigenthümliche Theorieentwickelt in einer kleinen Schrift, die sich als ein Sendschreiben aneinen Freund über die Heiligung oder über die Bedeutung der Ehedarstellt ^), jedenfalls das Originellste, was er je geschrieben. Die Schrift
st Einleitung zu Torab lia-^äarn.
st iMsi'st llg.-Locl6soll, zuerst edirt Rom 15S6 und vielleicht noch früherConstantin. stns anno. Ins Latein, übersetzt wurde die Schrift von Gaffareli.Sie soll auch den hebräischen Titel irnp.i nn°> führen; vergl. 'sVoll III. x. 796.