Nachmani's Theorie.
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eine Religion des Gefühls. Für jenen gab cs im Judenthum keinGehcimniß, das nicht durch das Denken erschlossen werden könnte, fürdiesen war gerade das Mystische, die Geheimlehre das Allerheiligstedes Judenthums, von dem sich das profane Denken fern halten müsse.Der Gegensatz ihrer verschiedenen Denkweise charakterisirt sich am vollstenin ihrem gegenseitigen Verhalten zum Dämonenglaube». Für Mai-muni ist es nicht blos Aberglaube, sondern geradezu Heidenthum, bösenGeistern Macht zuzuschreiben. Nachmani dagegen hält fest daran undräumt den Dämonen einen weiten Platz in seiner Weltanschauungein *). — Während er indeß gegen Maimuni's Ansichten nur hin undwieder seine Mißbilligung aussprach, ihm aber die unbedingteste Hoch-achtung zollte, hatte er gegen Jbn-Esra eine entschiedene Antipathie.Dieser Exeget mit seinem skeptischen Lächeln, mit seinem beißendenWitz, mit seiner ungläubigen Geheimnißthuerei war Nachmani geradezuwiderwärtig; er konnte sich bei seiner Bekämpfung die Milde seinesGemüthes nicht bewahren und gebrauchte gegen ihn heftige Ausdrücke ^).Jbn-Esra galt ihm als Träger des Unglaubens.
So sehr aber auch Nachmani die Zeitphilosophie als Gegensatzgegen die Offenbarung des Judenthums bekämpfte und Aristoteles alsOberhaupt der Jrrlehrer verdammte, so war er doch dem blinden
Glauben und der Absperrung gegen jede vernünftige Auffassung in
religiösen Dingen abhold. Er theilte nicht die Ansicht derer, welche,
auf den Talmud gestützt, behaupteten, die Vorschriften des Juden-thums seien wie die Decrete eines Königs hinzunehmen, es liege ihnenkein Zweck zu Grunde. Nachmani war vielmehr überzeugt, daß sämmt-liche pentateuchischen Gesetze einen höheren Zweck haben, der nur demblinden Auge der Menge verborgen sei^). Darin unterschied er sichwieder von den nordfranzösischen Rabbinen, deren streng talmudischerRichtung er sonst folgte, daß er sich nicht gegen die Philosophen ab-schloß und sie nicht von sich wies. Er war doch zu sehr Sohn
Spaniens, gewissermaßen von philosophischer Atmosphäre umgeben,als daß er die metaphysische Forschung wie eine zudringliche geschwätzigeDirne hätte abweisen können. Vermöge seines Hellen Geistes undseiner Bildung konnte Nachmani auch nicht mit den jüdischen Nord-franzosen durch Dick und Dünn gehen und nicht die Agadas im buch-stäblichen Sinn mit allen vermenschlichenden (anthropomorphistischen),herabziehenden und anstößigen Anssprüchen hinnehmen. Aber in
y Nachmani, Rssxonsurn an Jona Gerundi (echt) in der unter seinemNamen edirten Responsensammlung Nr. 283 und dessen Osrasolis. x. 9—12.
2) Oester im Pentateuch-Commentar und andern Schriften.
2) Das. zum Abschnitt Hsäosobim.