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Geschichte der Juden.
unverdrossen fort, bis er den größten Theil des Talmud mit Er-läuterungen versehen hatte (Okiänsobim). Indessen so bedeutend auchNachmani's Leistungen auf diesem Gebiete sind, schöpferisch war erdarin keineswegs. Er konnte nur mit den Tossafisten wetteifern,gewissermaßen spanische Tossafot schreiben, übbrtreffen konnte er sienicht. Der Talmud war in den Jahrhunderten feit Raschi und Alfaßizu gründlich erforscht worden, als daß Nachmani oder -irgend einAnderer etwas völlig Neues hätte aufstellen können. Mainiuni hattemit dem Blicke eines umfassenden Geistes richtig erkannt, daß es ander Zeit sei, mit den Commentarien zum Talmud endlich Abrechnung zuhalten, sich für oder wider zu erklären und das Ganze zum Abschlußzu bringen. Nachmani kehrte sich aber nicht daran, für ihn warMaimuni's riesiger Religionscodex nicht vorhanden, wie er auch inseinen frühern Arbeiten nur höchst selten Rücksicht darauf nimmt, alshätte er für ihn nicht Autorität genug. Er fand noch Gefallen ander Discussion, ihn erfreute noch das Einzelne, weil ihm eben Mai-muni's Universalität und systematischer Geist abgingen. Obwohl Nach-mani die volle Erkenntniß davon hatte, daß auf talmudischem Gebietemit allem Aufwands von Scharfsinn keine unumstößliche Gewißheitwie etwa in der Mathematik zu erzielen sei, sondern immer nochAnhaltspunkte zu Einwürfen und Widerlegungen blieben so hinderteihn diese Einsicht dennoch nicht, auf die verschlungenen Pfade derhalachischen Discussion einzugehen, um, wie er selbst eiugestand,wenigstens die Wahrscheinlichkeit zu ermitteln.
Sympathisirte er mit Maimuni nicht in der Behandlung desTalmud, so stimmte er noch viel weniger mit ihm in Betreff reli-gionsphilosophischer Ansichten überein. Maimuni ging von der Philo-sophie aus und legte zur Beurtheilung des Judenthums überall denMaßstab des Vernunftgemäßen, Einleuchtenden, Begreiflichen an;Nachmani dagegen nahm, wie Jehuda Halevi, die Thatsachen desFlldenthams, und selbst die als thatsächlich im Talmud vorkommendenErzählungen zum Ausgangspunkte. Für Maimuni waren die biblischenWunder Gegenstand des Mißbehagens, die er so viel als möglichauf natürliche Vorgänge zurückzuführen sich bemühte; auf die talmudischenWundererzählungen ließ er sich gar nicht ein. Für Nachmanidagegen war der Wunderglaube der Urgrund des Judenthums, vondem die drei Säulen seines Gebäudes getragen werden: dieSchöpfung aus Nichts, die Allwissenheit Gottes und diegöttliche Vorsehung 2). Mit einem Worte, für Maimuni war die
') Einleitung zu Milsbaiuot.
2) Nachmani, ÖsiÄscbs, sä. .Islliusb p. 16. HiobcomMentar Einleitung.