Der Judenflecken.
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Abdallah Mohamed Alnasir ließ sich soweit erbitten, diesen häßlichenAnzug der jüdischen Schein-Mohammedaner in gelbe Kleider undTurbane zu verwandeln, und an dieser Farbe der Kleidung erkannteman in dem ersten Jahrzehnt des dreizehnten Jahrhunderts immarokkanischen Reiche der Almohaden diejenige Volksklasse, welcheäußerlich Moslemin, im Innern aber Juden geblieben war^). Diesebarbarische Behandlung der Juden hat nun der Papst Jnnocenznachgeahmt. Ihre tiefste Erniedrigung in Europa während einesZeitraumes von sechs Jahrhunderten datirt vom 30. November 1215.
Fortan beschäftigten sich Provinzialconcilien, Sländeversammlungcnund fürstliche Cabinete neben der Ausschließung der Juden von allenEhren und Aemtern mit dem Judenzeichen, um dessen Farbe, Form, Längeund Breite mit pedantischer Gründlichkeit zu bestimmen. Viereckigoder rund, von safrangelber oder anderer Farbe (sixanin oiroulare,rota), an dem Hute oder an dem Oberkleide getragen, war das Juden-zeichen eine Aufforderung für die Gassenbuben, die Träger zu ver-höhnen und mit Koth zu bewerfen, war es ein Wink für den ver-dummten Pöbel über sie herzufallen, sie zu mißhandeln oder gar zutödten, war es selbst für die höheren Stände eine Gelegenheit, sie alsAuswürflinge der Menschheit zu betrachten, sie zu brandschatzen oderdes Landes zu verweisen. Noch schlimmer als diese Entehrung nachAußen war die Wirkung des Abzeichens auf die Juden selbst. Siegewöhnten sich nach und nach an ihre demüthige Stellung und verlorendas Selbstgefühl und die Selbstachtung. Sie vernachlässigten ihräußeres Auftreten, da sie doch einmal eine verachtete ehrlose Kaste seinsollten, die auch nicht im Entferntesten auf Ehre Anspruch machendürfte. Sie verwahrlosten nach und nach ihre Sprache, da sie dochzu gebildeten Kreisen keinen Zutritt erlangen und nnter einandersich auch durch Kauderwelsch verständlich machen konnten. Sie büßtendamit Schönheitssinn und Geschmack ein und wurden nach und nachtheilweise so verächtlich, wie es ihre Feinde wünschten. Sie verlorenmännliche Haltung und Muth, so daß sie ein Bube in Angst setzenkonnte. Die Strafandrohung des Propheten Jesaia an das Haus Jakobs:„Du wirst erniedrigt von der Erde sprechen und aus dem Staubewird Dein Wort lispeln," ist ganz buchstäblich in Erfüllung gegangen.Das tiefe Weh des Mittelalters begann für die Juden recht eigentlicherst mit dem Papste Jnnocenz III., gegen welches alle voran-gegangenen Leiden, seitdem das Christenthum zur Weltmacht gelangte,nur wie unschuldige Neckereien erscheinen.
*) Abulwahid bei Munk, Hotlos sar ckossxll bsn ckslluäs, x. 40 ff.Graetz, Geschichte der Juden. VH. 2