Judenverfolgung in Toledo.
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Gefahr aufgeschreckt, stellten die Feindseligkeit gegen einander ein, umdem übermächtigen Feinde mit vereinten Kräften Widerstand zu leisten.Da sich aber die christlichen Völker Spaniens doch nicht stark genugfühlten, den Kampf mit den Mohammedanern aufzunehmen, wendetesich Alfonso der Edle, König von Castilien, an Jnnocenz, einen all-gemeinen Kreuzzug gegen den Halbmond zu veranlassen, und der Papstwillfahrte diesem Wunsche sehr gern. So zogen denn viele europäischeKrieger über die Pyrenäen, darunter auch der blutdürstige Cistercienser-mönch Arnold (o. S. 9) mit seiner Schaar, welche sich durchUnmenschlichkeit aller Art au Albigensern und Juden in Südfrankreichdie Seligkeit gesichert hatte. Die Ultramontanen, wie sie im Gegen-satz zu den spanischen Kriegern genannt wurden, deren Ingrimm gegenAlles, was nicht päpstlich-katholisch war, bis zur Raserei gesteigertwar, nahmen Anstoß an den verhältnißmäßig glücklichen Verhältnissender Juden in der spanischen Hauptstadt, an ihrem Reichthum, ihrerFreiheit und ihrer Bedeutung bei Hofe. Diese fremden Kreuzzügler,von Arnolds Glaubenswuth erfüllt, überfielen daher die Juden Toledosplötzlich und tödteten mehrere von ihnen (Juni 1212), und es wäreallen sehr schlimm ergangen, wenn der edle Alfonso sich nicht ihrerangenommen und wenn die christlichen Ritter und Bürger von Toledo^von Ehrgefühl geleitet, die Angriffe der Fanatiker nicht abgewehrthätten *). Das war die erste Judenverfolgung in Castilien, allerdingsnur von Fremden angezettelt und von den Einheimischen gemißbilligt.Die Kirche sorgte aber dafür, daß auch die spanischen Könige undVölker zum Judenhaß erzogen wurden.
Welch ein Umschwung in der Gesinnung gegen die Juden seitJnnocenz' Pontificat eingetreteu ist, beweist ein Beschluß der PariserSynode von demselben Jahre. Der König Ludwig VII. und selbstsein Sohn Philipp August hatten sich gegen das kanonische Institutgesträubt, daß die Juden nicht von Christen bedient werden sollten ^).Jetzt durften die französischen Concilien unter dem Präsidium derpäpstlichen Legaten und mit Einwilligung des Königs diese Engherzigkeitnoch ausdehnen, daß nicht nur keine christliche Amme ein jüdischesKind nähren, sondern auch keine Hebamme einer jüdischen Frau inihren Wehen Beistand leisten dürfe, weil — wurde als Grund hinzu-gefügt — die Christen in jüdischen Häusern Vorliebe für das Juden-thum gewinnen 2).
9 ^.nuslss Dolöäouos bei lillors? Dsxsuia ssArs.äa D, XXII. x. 3!>5und sämmtliche spanische Historiker.
2) Vergl Bd. VI. 2 S. 227.
2 ) lilausi Ooiiollia 1. XXI x. 850. Oanou II.