Die Albigenser-Verfolgung.
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Inzwischen sammelte sich ein fanatisches Kreuzheer, von demPapste und dem blutdürstigen Mönch Arnold von Citeaux aufgestacheltund von dem ehrgeizigen, ländersüchtigen Grafen Simon von Montfortangeführt, gegen die Albigenser und zog gegen den Vicegrafen Ray-mund Roger und dessen Hauptstadt Veziers. Auch Roger war alsheimlicher Begünstiger der albigensischen Ketzer und als Gönner derJuden dem Papste und seinen Legaten doppelt verhaßt. Am22. Juli (1209) wurde das schöne Veziers erstürmt und ein Blutbadunter den Bewohnern im Namen Gottes angerichtet. „Wir schonten,"so berichtete der Blutmensch Arnold an den Papst, „wir schontenkeinen Stand, kein Geschlecht, ke.in Alter; fast 20,000 Menschen sinddurch die Schärfe des Schwertes umgekommen. Nach dem großenGemetzel wurde die Stadt geplündert und verbrannt, und die göttlicheRache wüthete darin auf eine wunderbare Weise" *). Selbst recht-gläubige Katholiken wurden nicht verschont, und auf die Frage derKreuzfahrer, wie sie die Rechtgläubigen von den Ketzern unterscheidensollten, antwortet Arnold: „Schlagt nur zu, Gott wird die Seinigenschon herauserkeunen." Die blühende und gebildete jüdische Gemeindevon Bezie'rs durfte unter diesen Umständen noch weniger auf Schonunghoffen. Zweihundert Juden kamen in Folge dessen um, und vielevon ihnen geriethen in Gefangenschaft^). Das Jahr des Albigenser-Kreuzzuges bezeichneten auch die Juden als „Trauerjahr" ^).
Durch den diplomatischen Sieg über Raymund von Toulouseund den militärischen Sieg über Roger Raymund von Beziers hattedie unduldsame Kirche nicht nur in Südfrankreich, sondern überall dieOberhand gewonnen. Das Unterfangen der freien Geister, sich eineigenes Urtheil über Religion, die heilige Schrift und die Stellungder Geistlichen zu bilden, war blutig bestraft worden. Der Papstdurfte jetzt, wie es in der damaligen Kirchensprache hieß, das geistlicheund das weltliche Schwert schwingen. Die Träger vernünftiger Ge-danken wurden todtgeschlagen; das Denken wurde als Frevel gestempelt.Die Jünger des Religionsphilosophen Amalarich von Bena, welchebehaupteten, Rom sei das lasterhafte Babel, und der Papst sei derAntichrist, er weile auf dem „Oelberg, d. h. in der Saftigkeit derMacht", die Einsichtsvollen, welche erklärten, für die Heiligen Altärebauen, die Gebeine der Märtyrer verehren, sei Götzendienst, diesewurden als Gotteslästerer in Paris verbrannt. Die Gebeine desMeisters Amalarich wurden aus dem Grabe geschleppt und unter
9 Vergl. die Notiz Bd. Vl.g S. 372. Nr. 17.
-) Das.
°) Das. p-' luv d. h. die Zahl 69 ^ 4969 - 1209 CH.