I
Abraham Maimuni und Joseph Jbn-Aknin. 3
Noch weniger war Maimuni's Liebliugsjünger Joseph Jbn-Aknin, der seinen Meister um mehr als zwei Jahrzehnte überlebte,. geeignet, Mittelpunkt der Judcnheit zu werden. Obwohl der großeLehrer die Hand auf dessen Haupt gelegt, ihm seinen Geist eingeflößtund ihn mit seinem Gedankenreichthum erfüllt hatte, so blieb Jbn-Aknin doch nach Maimuni's Tod wie bei dessen Leben nur eineuntergeordnete Erscheinung. Er nahm am Hofe des Sultans AzzahirGhasi von Damaskus eine hohe Stellung ein. Reich geworden^ durch eine Reise in das Morgenland bis nach Indien, hatte er ein' Gut erworben, hielt Vorlesungen über Medizin und Philosophie
und war Leibarzt bei einem von Saladin's Söhnen. Mit dem Wesir! und Schriftsteller Alkifti war Jbn-Aknin so innig befreundet,
daß beide einen Pakt schlossen, daß der von ihnen zuerst Verstorbenedem Ueberlebendeu Nachricht von der jenseitigen Welt geben sollte.Jbn-Aknin schrieb auch viel und vielerlei über Arzneikunde, Moral-philosophie und Talmud i). Allein auch er hatte keinen schöpferischenGeist, besaß auch nur angelerntes Wissen und konnte darum keinenFührer abgeben. Ohnehin hatten ihm auch sein heftiges Temperamentund sein barsches, rechthaberisches Auftreten für seinen Lehrer viele- Feinde zugezogen, und sein Wirkungskreis reichte kaum über seinen> Wohnort hinaus. Die übrigen unmittelbaren Jünger Maimuni's
hatten noch weniger Bedeutung, und ihre Namen sind daher spurlosverklungen. — Eben so wenig wie in Asien gab es nach Maimuni'sTod in Europa Männer von gewaltiger Anziehungskraft. Es tratennur örtliche, aber keine allgemein anerkannten Autoritäten auf. Wohl
! zählte die jüdische Provence und das jüdische Spanien viele gelehrte
Männer, aber keine die Zeit beherrschenden Charaktere. Es fandsich damals, als schlimme Zeiten eintraten, kein Mann, der sich Vör-den Riß hätte stellen können, um ein gewichtiges Wort zur rechten^ Stunde zu sprechen und den schwankenden Gemüthern den rechten! Weg vorzuzeichneu. Wäre ein Mann von Maimuni's Geist undCharakter sein Nachfolger geworden, so hätte weder die Zwiespältig-keit zwischen Dcnkgläubigen und Buchstabengläubigen so tiefe Zer-störungen anrichten, noch die verderbliche Mystik die Gemüther inihren Bannkreis ziehen können.
Zn dieser Verwaistheit des Jndenthums im Anfänge des dreizehnten! Jahrhunderts trat hinzu die Feindseligkeit eines Uebermächtigen gegen
fl Vgl. über Jbn-Aknin Munk dloties sar üosspll d. llslroncta und Erschund Gruber, Lsetiou II. 1. 31 x>. 50 ff. und über seine Verwechselung mitj einem namensverwandten Zeitgenossen, Neubauer in Frankel-Graetz Monatsschr.
I*