Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

2

Geschichte der Juden.

machte sie auch verwaist an einem würdigen und kräftigen Führer,der die überallhin Zerstreuten unter einer geistigen Fahne hättesammeln können. Ihm hatten sich die Gemeinden in Ost und Westfreiwillig untergeordnet. Er hatte für alle Verlegenheit klugen Rath; 'nach seinem Heimgange dagegen stand die Judenheit ohne Führer unddas Judenthum ohne Autorität da. Wohl erbte sein Sohn Abul- >meni Abraham Maimuni (geb. 1185, st. 1254 Z die tiefe Reli- ;giosität seines Vaters, dessen friedlich versöhnlichen Charakter, die hohe i .Würde als Oberhaupt (Nagid) der egyptischen Judenheit und die rStellung als Hofarzt bei Saladin's Nachkommen; aber sein Geist !und seine Thatkraft waren nicht auf ihn übergegangen. AbrahamMaimuni verstand die Arzneikunde, war Leibarzt des SultansAlkamel, eines Bruders Saladin's, und stand mit dem berühmtenarabischen Literaturgeschichtsschreiber Jbn-Abi Osaibija demHospital von Kahira vor^). Er war ebenfalls talmudkundig, wehrtedie Angriffe auf die Gelehrsamkeit seines Vaters mit talmudischen Waffenab und erließ rabbinische Gutachten. Er war auch philosophisch ge-bildet und verfaßte in diesem Sinne ein Werk zur Versöhnung derAgada mit dem philosophischen Zeitbewußtsein (Litab ^.Ikatm). In !diesem Werke zeigte Abraham Maimuni bei aller Verehrung für jeden ^Ausspruch im Talmud auch einen freisinnigen Geist in Beurtheilung ^agadischer Sentenzen und Erzählungen. Er giebt zu, daß sie zum Theil -als phantastischer Ausschmuck, poetische Einkleidung oder gar als Ueber- !treibuugen zu betrachten seien Allein Abraham Maimuni's ganzes !Wissen war mehr angelerntes Geisteseigenthum als ursprüngliche Ge- !danken. Er folgte mit sklavischer Treue den Fußstapfen seines großen ^Vaters und eignete sich dessen Denkweise gewissermaßen mit Aufgebeu ,des Selbstdenkens an. Nicht weil es die Wahrheit war, sondern weil ^der von ihm als Erzeuger und Lehrer so hoch Verehrte es so und soangeschaut hat, machte Abraham das maimunische Lehrsystem zu seinemeigenen. Daher erscheint, was beim Vater ergreifende Originalität ist,beim Sohn als abgeblaßte Copie und nichtssagender Gemeinplatz.Abraham Maimuni genoß zwar Hochachtung in der Nähe undFerne, aber Einfluß gewinnende und maßgebende Autorität war erkeineswegs.

') Sein Geburts- und Todesjahr giebt sein Enkel an (bei Dei Rosst Msorünasina o. 25 und in Goldberg's Einleitung zu ^.brala Maina. Hssxonssn,Lirollab ^.brallana); sein Todesjahr setzt Jbn-Abi Osaibija (bei de SacyHxlsIIsIit x. 490) in's Jahr 640 Hegira, d. h. 1254.

2) Bei de Sacy ä. a. Ö.

2) Ein Fragment aus ^.Ilcataa in Lsrsrn Ollsnasct II, p. 8 ff.